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22. Juni 2017

Warum Aktien weiter steigen und schließlich crashen werden (Teil 2/2)

Manche Analysten beschreiben den Aktienmarkt heute schon als überhitzt. Dieser zweiteilige Marktkommentar beschreibt, warum ich einen weiteren deutlichen Anstieg der allgemeinen Aktienmärkte in den nächsten Monaten, möglicherweise sogar für die nächsten Jahre kommen sehe… Bis schließlich ein Schwarzer Schwan unser zunehmend fragiles Finanzsystem kalt erwischen und die nächste große Krise einleiten wird.

Brse 12

Teil 2/2

Lesen Sie zuerst: Teil 1 dieses Artikels.

Die zwei wichtigsten Gründe warum Aktienkurse steigen werden

Angenommen man wirft weltweit alle Aktien in einen Topf und betrachtet die Wertentwicklung – wie werden Aktien in nächster Zeit performen?

Trotz schwächelnder US-Konjunktur, Eurokrise, anstehendem Brexit, deflationärem bzw. stagflationärem Dauerzustand in Japan, dem Ölpreiskollaps und Ähnlichem, sehe ich der Overall-Performance von Aktien in den nächsten Jahren – bis zum nächsten Crash, der wie zuvor beschrieben, schwierig zu timen ist – generell positiv entgegen.

US-amerikanische Unternehmen könnten in naher Zukunft von massiven Steuervergünstigungen zur Kapitalrückführung in die USA profitieren. Dieses Kapital könnte dann für den strategischen Unternehmensausbau, M&A-Aktivitäten und verstärkte Aktienrückkäufe eingesetzt werden, was sich letztlich positiv auf die Kurse von US-Aktien auswirken kann. Ich glaube allerdings, dass viele potenzielle „Trump-Deals“ aktuell bereits in die US-amerikanischen Märkte eingepreist sind und sich das Spekulationsfenster dafür bereits geschlossen hat. Was letztendlich wirklich umgesetzt wird, bleibt offen. Trump hat im ersten halben Jahr seit seiner Amtseinführung schon zahlreiche Wahlversprechen gebrochen und wird bestimmt weitere brechen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass unternehmerische Einflüsse weit wichtiger für den langfristigen Verlauf des Aktienmarktes sind als politische Einflüsse. Dennoch sehe ich überwiegend finanzpolitische Gründe für eine weitere (bis zum nächsten Crash) positive Entwicklung internationaler Aktien. Trotz einer stagflationären Bedrohung vor allem in westlichen Kapitalmärkten, könnten Aktienkurse in den nächsten Jahren über alle Sektoren hinweg durch manipulative Marktverzerrung seitens unserer Regierungen und Notenbanken auf ungeahnte Höhen gehoben werden. Zwei Faktoren halte ich dabei für besonders wichtig:

1) Weltweiter Anlagenotstand bei Null- und Negativzinsen

Notenbanken der ganzen Welt haben spätestens seit der Finanzkrise 2008 ihre Leitzinsen dramatisch gesenkt. Man könnte sagen, Zinsen wurden von zentraler Stelle aus abgeschafft, da sich Leitzinsen unmittelbar auf den Interbankenhandel auswirken und folglich auch Geschäftsbanken ihre Zinsen senken müssen.

Meiner Meinung nach können wir uns auf ein neues Normal über Jahre, eventuell sogar Jahrzehnte(!) der Finanzrepression einstellen, bei der die (reale) Inflation das Zinsniveau übersteigt.

Sie können nun sagen, dass dies eine gewagte Prognose von mir ist. Jahrzehnte ohne echte Zinswende erscheinen den Meisten im historischen Kontext der westlichen Notenbanken sehr unwahrscheinlich. Und zahlreiche Finanzmedien geben schließlich seit Jahren optimistische Prognosen für eine angeblich unmittelbar bevorstehende Zinswende zum Besten. Ich bleibe jedoch bei meiner Aussage und präsentiere Ihnen kommentarlos ein knappes halbes Jahrhundert japanischer Zinsgeschichte.

Historische Entwicklung der Leitzinsen der japanischen Notenbank Bank of Japan 1972-2017. Quelle: http://www.tradingeconomics.com

Die wiederholten Mini-Zinsanhebungen der amerikanischen Federal Reserve (Fed) halte ich für ein taktisches Manöver, um in der nächsten Rezession die Zinsen schlagartig wieder auf Null oder sogar in negatives Terrain senken zu können.

Zusätzlich möchte die Fed das in den letzten Jahren verlorene Vertrauen zurückgewinnen. Generell ist es für Notenbanken sehr wichtig, dass Marktteilnehmer den schamlos manipulativen Äußerungen (forward guidance) ihrer Sprecher eine Bedeutung beimessen, da allein zukunftsgerichtete Aussagen wie „wir planen die Leitzinsen bis 2018 signifikant zu erhöhen“, direkt inflationäre Wirkung auf das hier und jetzt haben. Wir werden durch die Kommunikation von Notenbanken grundsätzlich nicht informiert, sondern manipuliert. Hören Sie also besser nicht zu genau hin.

Erste Notenbanken, wie die norwegische Zentralbank, testen bereits ihre Leitzinsen unter Null zu senken. Das relativ neue Konzept negativer Zinsen könnte in den kommenden Jahren noch wesentlich populärer werden. Theoretisch (wenn auch völlig absurd) könnten sich Staaten mit Hilfe ihrer Notenbanken schleichend von ihrer Schuldenlast befreien. Schließlich basiert das Konzept negativer Zinsen ja darauf, dass Anleihen ausgegeben werden, bei denen von vorneherein feststeht, dass in der Zukunft weniger zurückgezahlt werden muss, als heute verliehen wird.

Moment mal – denken Sie sich jetzt… Wer ist denn so dumm und kauft Anleihen mit negativem Zins, wenn man Gold, Immobilien oder Aktien kaufen kann? Genau richtig! Ich denke der Trend geht langsam weg von Staatsanleihen, die aufgrund des immensen globalen Schuldenwachstums und trotz immer höherer systemischer Ausfallrisiken, immer kleinere Renditen abwerfen.

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Bisher sind vor allem große institutionelle Anleger wie Notenbanken, Rentenfonds und Lebensversicherer Käufer von niedrig verzinsten Anleihen, da das Risiko dieser Anlageklasse (zumindest bei Emittenten hervorragender Bonität) als sehr niedrig erachtet wird. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schon 2014 berichtete, würden viele Lebensversicherer gerne zu einem höheren Prozentsatz in internationalen Aktien investiert sein, haben aber keinen Handlungsspielraum dafür, weil gesetzliche Regeln, wie die strikten Eigenkapitalregeln von Solvency II (einem Projekt der EU-Kommission mit dem Ziel, das Eigenkapital der Versicherungsunternehmen zu stärken), ihr Engagement in den Aktienmärkten beschränken.

Sollte sich meine Einschätzung bewahrheiten und die Zinsen in absehbarer Zeit nicht stärker als die Inflation steigen, so ist eine weltweite Kapitalflucht in renditestärkere Anlageklassen wie Aktien vorprogrammiert. Sollte die allgemeine Nachfrage nach Aktien deutlich steigen, werden die Kurse weiter anziehen. Wer zuvor auf festverzinsliche Anleihen gesetzt hat, interessiert sich vielleicht zukünftig mehr für Dividenden.

[…] the Fed successfully suppressed rate structures around the world and ignited the greatest global search for yield in financial history. – Sprott Precious Metals Watch 01-2017

2) Aktienkurse direkt aus der Notenpresse der Zentralbanken

Was kaum jemand weiß ist, dass der Großteil der gesamten „Geldmenge“ (Umlaufmittel) nicht von Zentralbanken, sondern durch Kreditvergabe von Geschäftsbanken geschöpft wird.

Seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 ist aber vor allem die von Notenbanken geschöpfte Basisgeldmenge (M0) durch Programme der quantitativen Lockerung (engl. quantitative easing, QE) regelrecht explodiert. In Europa werden 80 Mrd. Euro pro Monat (bzw. 60 Mrd. Euro seit April 2017) direkt in Anleihen gepumpt. Somit werden unter anderem bankrotte Staaten wie Griechenland direkt aus der Notenpresse finanziert.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) ist schon länger einen Schritt weitergegangen und kauft nicht nur Anleihen, sondern direkt Aktien ein. Allein im ersten Halbjahr 2016 steckte die SNB steckte mehr als 20 Milliarden US-Dollar in amerikanische Unternehmen wie Apple und Microsoft. Aber auch internationale Minenaktien im Wert von über 1 Mrd. US-Dollar sind schon in das SNB Portfolio gewandert. Die Bilanzsumme der SNB bestand schon im August 2016 zu ca. 20% aus Aktien, Tendenz steigend.

Die Bank of Japan (BOJ) liefert das anschaulichste Beispiel einer äußerst bedenklichen Tendenz staatlich-institutioneller Interventionen im Aktienmarkt. Die BOJ besitzt inzwischen 2/3 aller japanischen ETFs und ist größter Aktionär vieler Unternehmen im eigenen Land.

ETF Bestände der Bank of Japan (BOJ). Quelle: Zerohedge.

Wenn Sie sagen, dass die Aktienmärkte heute schon überbewertet sind, dann würde ich Ihnen zumindest für den amerikanischen Markt aufgrund zahlreicher Indikatoren Recht geben. Im goldgeldwelt.de Artikel „Sind Aktien 2017 überbewertet? Ein Blick auf das KGV“ habe ich anhand des KGV, Shiller-KGV und KUV gezeigt, dass amerikanische Aktien zurzeit weit über ihrem langjährigen Durchschnitt bewertet werden.

Wenn eine Anlageklasse überbewertet ist, bedeutet es jedoch nicht, dass eine Korrektur sofort erfolgen wird. Aufgrund der im heutigen Ausmaß nie da gewesenen, systemischen Markteingriffe durch Zentralbanken, halte ich es für gut möglich, dass sich der Trend noch wesentlich verschärft, bevor der unvermeidliche nächste Crash erfolgt.

Ich überlasse es an dieser Stelle Ihrer Fantasie, wie weit Billionen ohne Gegenwert geschöpfte Fiat-Währungseinheiten großer Zentralbanken, wie der amerikanischen Fed und der EZB, den Aktienmarkt in Zukunft noch aufblähen könnten. Nach einer auf zerohedge.com zitierten Studie von Invesco (Link unten), geben 80% der befragten Vertreter internationaler Zentralbanken an, zukünftig mehr Aktien kaufen zu wollen. Das Wettrennen der Zentralbanken zum Kauf von wahren Werten mit falschem Geld hat längst begonnen.

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Mit besten Grüßen

Ihr

Florian Munsch

Herausgeber

Unterschrift 200x55

Quellen und Links

FAZ: Norwegen senkt Leitzins auf ein Rekordtief (März 2016)

Wirtschaftswoche: Negativzinsen für Privatkunden: „Genossen“ verlangen erstmals Strafzinsen (August 2016)

Handelsblatt: Die Bullen sind los (Juli 2016)

Seeking Alpha: Central Banks‘ Massive Incursion Into Buying Stocks (April 2017)

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Viele Versicherer stoßen an ihre Grenzen (Mai 2014)

shz.de: EZB: Die Bank gewinnt immer. Möglicher Aktienkauf nach Anleiheprogramm (August 2016)

Zerohedge: 80% Of Central Banks Plan To Buy More Stocks (Jan. 2017)

Florian Munsch

ist Herausgeber und Chefredakteur von goldgeldwelt.de. Er interessiert sich vor allem für Edelmetall- und Rohstoffaktien und verfügt über ein weitreichendes Netzwerk an professionellen Kontakten in Europa, Nordamerika und Australien. Florian ist studierter Naturwissenschaftler (M.Sc.), lebt derzeit in Hamburg und liebt Kampfkunst, gutes Essen und lange Unterhaltungen über Wirtschaft und Finanzen.

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