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11. August 2021

Tencent: Kursturbulenzen als attraktive Einstiegschance?

Jeder kennt sie, so mancher hätte gern welche: FAANG-Aktien. Allerdings sind Facebook, Amazon und Co. nur die westliche Hälfte vom großen Internet-Business. Im Reich der Mitte gibt es Alternativen zu den bekannten amerikanischen Business-, Tech- und Media-Plattformen, die einen Vergleich nicht scheuen müssen. Der Shoppinganbieter Alibaba wäre ein international bekanntes Beispiel – der Gigant Tencent ist in der nichtchinesischen Wahrnehmung noch nicht ganz so etabliert. Jetzt wäre die Chance das zu ändern, denn: Ausgerechnet ein Kurseinbruch kann sich als Türöffner zum Einstieg in eines der wertvollsten Unternehmen der östlichen Hemisphäre erweisen.

Das klingt verwirrend? Ist es aber nicht! Doch um das zu verstehen, muss zunächst erklärt werden, wer Tencent ist – und wie es zur aktuellen Kursachterbahn kommt. Die ist nämlich nicht vom Markt, sondern politisch induziert – und lässt sich ausnutzen.

Tencent: Omnipräsent im chinesischen Alltag

Die Tencent Holdings Ltd. ist ein Internet-Konzern, dessen Impact auf das Alltagsleben seiner User man sich hierzulande nur schwer vorstellen kann. Geradezu spektakulär ist die Verschmelzung verschiedenster Funktionen und Apps innerhalb des zentralen Dienstes WeChat. Was einst als einfacher Messenger startete, ist heute ein Multifunktionstool, mit dem die User zugleich kommunizieren, Dienstleistungen buchen und Einkäufe tätigen können; das alles mit einer Selbstverständlichkeit, die das smarte Gerät, auf dem die App läuft, zu einer Art Zauberstab für die Alltagsbewältigung werden lässt. Doch dazu später mehr.

Die Firmenzentrale von Tencent befindet sich Shenzen; einer Stadt in der Provinz Guandong, die den Status einer Sonderwirtschaftszone hat – attraktiv für Investoren. Der rechtliche Sitz sind die Kaimaninseln – steuerrechtlich attraktiv für Unternehmen. Die Eigenkapitalquote liegt bei 52,8 Prozent, die Marktkapitalisierung zuletzt bei schwindelerregenden 734,5 Milliarden US-Dollar. Erwirtschaftet wurde im vergangenen Jahr ein Umsatz von 75,4 Milliarden USD mit einem Nettogewinn von 25 Milliarden USD. All das macht Tencent gegenwärtig zu einem der wertvollsten Unternehmen überhaupt. Es rangiert auf Platz zehn der Weltrangliste.

Seine Umsätze erwirtschaftet Tencent jedoch fast gänzlich innerhalb von China; 2019 lag der prozentuale Anteil außerchinesischer Geschäfte bei nur fünf Prozent. Das liegt zum einen an der starken Präsenz der FAANG-Internet-Unternehmen, andererseits besteht in der westlichen Welt ein – wahrscheinlich berechtigtes – Misstrauen gegen chinesische Datenkraken. Ein vergleichbares Szenario west-östlicher Widerstände gab es zuletzt in Zusammenhang mit Huawei.

Mit annähernd 63.000 Beschäftigten (mehr als die Hälfte davon in den Sektoren Forschung und Entwicklung) ist Tencent zudem ein wichtiger Arbeitgeber und Marktakteur. Auch das Zukunftspotenzial ist enorm: Mehr als 400 Technologie-Patente liegen bei Tencent.

Die Geschichte von Tencent

Die Tencent-Gründer Ma Huateng und Zhang Zhidong sind heute beide noch im Unternehmen, als Vorsitzender und CEO beziehungsweise Chief Technology Officer. Gegründet wurde der Konzern im Jahr 1998, zu einer Zeit, als die Möglichkeiten, die das Internet Verbrauchern zu bieten hatte, langsam Gestalt annahmen.

Die Gründung erfolgte mithilfe von US-amerikanischen Risikokapitalgebern, das erste Produkt, das gelauncht wurde, war „Tencent QQ“, ein Instant Messenger. Der hatte in China durchschlagenden Erfolg und machte Tencent binnen kurzer Zeit zum ersten chinesischen Internetunternehmen, das tatsächlich schwarze Zahlen schrieb. Ein weiteres frühes Zugpferd des Unternehmens war etwas später „Qzone“, gewissermaßen ein asiatisches Pendant zur bekannten Social-Media-Plattform „Myspace“.

Den Gang an die Börse vollzog Tencent 2004: Das Unternehmen ist an der SEHK (Stock Exchange of Hong Kong) gelistet und seit 2008 auch im Hang Seng Index vertreten. Um diese Zeit herum hatte das Unternehmen bereits das erste chinesische Institut für Forschung und Entwicklung von Internet-Technologien gegründet.

Die Evolution eines Tech-Giganten

Während die Nutzerzahlen auf Qzone und Tencent QQ (dem Messenger) kontinuierlich in die Höhe gingen, begann Tencent damit, Beteiligungen, passive Investitionen und strategische Partnerschaften mit ausländischen Internetunternehmungen anzubahnen und auszubauen. Hier ins Detail zu gehen, würde angesichts des komplexen Geflechts zu weit führen. Fakt ist, dass aus dem chinesischen Internetunternehmen zwischenzeitlich ein Konzern geworden ist, der über zahlreiche Verbindungen in diversen Geschäftsfeldern operiert, die auf Internettechnologie fußen. Doch sogar in Tesla ist Tencent mit einem Fünf-Prozent-Anteil investiert.

Das Portfolio

Die wichtigsten Produkte von Tencent sind neben Tencent QQ – dem Instant-Messaging-Klassiker – das Internetportal QQ com, das Multiplayer-Onlineportal QQ Games, die Social-Media-Plattform Qzone, die C2C-Einkaufsplattform PaiPai, das Payment-System Tenpay sowie diverse Software, Browser, Suchmaschinen und eMail-Clients. Das Zugpferd und Herzstück von Tencent ist jedoch WeChat, ein mit dem Mobile-Payment-Markt verwobener Chat-Dienst, ohne den sich die Mehrheit der Chinesen den Alltag wohl nicht mehr vorstellen könnte.

WeChat – eine App fürs Leben

WeChat ist in seinen Ursprüngen ein Mobile-Chat-Dienst. Allerdings ist das System zwischenzeitlich durch ein Mobile-Payment-System erweitert worden und soll mit der chinesischen ID-Karte verknüpft werden. Mit WeChat können Nutzer nicht nur chatten, sondern auch Audionachrichten versenden, Videotelefonie nutzen, spielen, Standortdaten teilen, diverse Dienstleistungen vom Taxi bis zum Lieferdienst nutzen, Arzttermine buchen, Rechnungen bezahlen … und noch viel mehr. Kurz gesagt: Faktisch lässt sich das komplette Alltagsleben über WeChat organisieren. Es gibt auf der ganzen Welt kein zweites soziales Netzwerk mit einem derart elaborierten Geflecht von Dienstleistungen.

Da WeChat zwischenzeitlich in zahlreichen Sprachen verfügbar ist – darunter auch Deutsch – ist es nicht nur in China verbreitet. Unter den 1,2 Milliarden aktiver Nutzer sind 100 Millionen im Ausland.

Vorsicht vor dem Datenkraken?

Pikantes Detail: WeChat gibt so gut wie alle Daten an die chinesischen Behörden weiter. Dass das für chinesische Nutzer heikel ist, liegt auf der Hand. Aber auch international sieht man Spionagegefahr: Ex-US-Präsident Trump versuchte via Präsidentenerlass, US-Amerikanern Geschäfte mit Tencent zu verbieten (dazu gehört natürlich auch die Nutzung der Produkte). Zwar wurde dies durch eine einstweilige Verfügung wieder gestoppt; das Signal steht jedoch im Raum: Der Zugang zu den US-Märkten ist für Tencent keine in Stein gemeißelte Selbstverständlichkeit. Durch das Listing in Hong Kong hat das Unternehmen allerdings einem möglichen De-Listing der Aktien an amerikanischen Handelsplätzen frühzeitig vorgebeugt.

Regierungswillkür verursacht Marktturbulenzen

Aktuell befindet sich der Kurs von Tencent auf kurviger Talfahrt. Der Grund dafür ist allerdings nicht etwa hausgemacht oder durch die allgemeine Wirtschaftlage bedingt, sondern auf befremdliche Interventionen der chinesischen Regierung zurückzuführen.

Die kommunistische Einheitspartei verursachte jüngst weitreichende Marktverunsicherungen mit Maßnahmen, die auf das Brechen der Monopolmacht inländischer Tech-Unternehmen ausgerichtet waren. Zwischenzeitlich sind davon neben Internetfirmen wie Tencent oder der Verkaufsplattform Alibaba noch andere Branchen tangiert. Beispiele für die Einmischung der Staatsführung in die Wirtschaft treiben bizarre Blüten; zuletzt etwa das Verbot an private Lehrinstitute, Gewinne zu erwirtschaften.

Derartig merkwürdige Aktionen seitens der Regierung kamen schon früher immer einmal sporadisch vor. In der jüngeren Vergangenheit jedoch häufen sie sich und führen verständlicherweise zu Irritationen bei den Anlegern in Asia-Werte. Im Zuge dessen werden auch die Kurse der großen Unternehmen mitgerissen. Seit Februar, so hat es die „Welt“ ausgerechnet, sind allein im Tech-Bereich (der laut Goldman Sachs 40 Prozent der Wirtschaftsleistung Chinas ausmacht), eine Billion Dollar Marktkapitalisierung „vernichtet“ worden.

Jugendschutz und „Gamingsucht“: Tencent im Visier der Zentralpartei

Jüngste Entwicklung: Die chinesischen Behörden haben, wie am Sonntag bekannt wurde, Tencent verklagt. Angeblich, so der (bislang nicht näher spezifizierte) Vorwurf, würde bei WeChat der Jugendschutz nicht den behördlichen Vorhaben entsprechen. Aktuell verfügt WeChat über einen Jugendschutz-Modus der unter anderem Payments und Kontakte zu Personen in der Umgebung einschränkt.

Das ist nur der jüngste Angriff von Regierungsseite auf den Tech-Giganten. Erst wenige Tage zuvor war der Aktienkurs schon um fünf Prozent eingebrochen, nachdem massive Negativberichterstattung den schädlichen Einfluss von Videospielen auf die Jugend anprangerte. Dieser schädlichen Tendenz müssten „Regierung, Schulen und Eltern“ entgegenwirken, hieß es in der Presse. Tencent kündigte daraufhin an, künftig das Alter von Online-Gamern über eine Gesichtserkennungssoftware verifizieren zu wollen. Ob das langfristige eine gangbare (und akzeptierte) Strategie ist, steht infrage.

Gaming als Wachstumstreiber: Verdienste am Rande des Spielgeschehens

Fast ein Drittel, nämlich etwa 32 Prozent des Umsatzes von Tencent kommen derzeit aus dem Online-Gaming. Eine staatliche Regulierung dieses Marktes zur Einschränkung des Spiele-Konsums könnte zu Umsatzverlusten und damit zum Ausfall eines wichtigen Wachstumsfaktors führen.

Allerdings kann die ganze Sache auch einfach abprallen, denn bei den gemeldeten Online-Gaming-Umsatzzahlen wird nur der unmittelbare Verdienst durch das Spielgeschehen erfasst. Nicht eingerechnet sind damit verbundene Werbeeinahmen oder In-Game-Käufe, mit denen die Spieler ihre Protagonisten beispielsweise mit attraktiven Items ausrüsten können. Diese Einnahmen werden anders verbucht (zum Beispiel als Online-Werbung) – und bleiben natürlich erhalten. Über Beteiligungen und Übernehmen ist Tencent zudem am Offline-Gaming beteiligt, etwa an Herstellern von Konsolenspielen, zuletzt durch die die Akquise der britischen Sumo Group.

Fazit: Abwärtsturbulenzen zum Einstieg nutzen

Welche Strategie die chinesische Regierung mit der Unterdrucksetzung der nationalen Großunternehmen verfolgt, ist unklar und erschließt sich in Logik und Konsequenzen Beobachtern nicht unmittelbar. Unstrittig ist, dass es zu Stagnationen oder weiteren Abfällen der Kurse von Unternehmen wie Tencent kommen kann, solange die Regierung immer neue Überraschungen zur Regulierung ihrer inländischen Unternehmen aus dem Hut zaubert.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist das Unternehmen absolut unterbewertet. Für strategische Investoren bietet sich damit natürlich die Chance, zum Schnäppchenpreis an Anteile von Tencent zu kommen. Denn die Kurse werden fraglos mittelfristig wieder steigen. Obwohl die Tencent-Aktie aktuell unter Druck steht, ist ein langfristiger Abstieg nicht zu erwarten. Dafür ist Tencent zu groß und wichtig, sowohl als Arbeitgeber als auch als Tech-Player und letztlich auch Teil des chinesischen Wirtschaftsmotors.

Nicht zu vernachlässigen bei der Bewertung des Unternehmens ist ein weiterer Pluspunkt: Ausländische Konkurrenten, etwa Amazon oder Google, werden sich dank derselben staatlichen Beschränkungen im chinesischen Markt auch künftig nicht oder nur schwer etablieren können. Das erhält Tencent im Gegenzug die Nutzer seiner Produkte, da diese faktisch kaum zu Mitbewerbern abwandern können. Dieser Markt muss weiterhin versorgt werden, wobei das Gaming zwar ein wichtiger, aber bei weitem nicht der einzige Geschäftsbereich von Tencent ist.

Allein WeChat ist ein solch etablierter Bestandteil der Alltagskultur, dass er nicht so einfach wegreguliert werden kann. Inwieweit sich tatsächliche Auswirkungen der jüngsten Ereignisse auf die Umsätze des Unternehmens zeigen werden, bleibt abzuwarten. Experten gehen auch weiterhin von einem zweistelligen jährlichen Umsatzwachstum aus – Investitionen könnten sich also auszahlen, sobald der Markt sich nach den aktuellen Ereignissen wieder stabilisiert.

Die Tencent Aktie wurde kürzlich in mehreren Tranchen als Kernposition in das Goldgeldwelt Musterdepot aufgenommen.

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Redaktion

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