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31. Januar 2020

Stoppt den Steuer-Irrsinn!


Von der Öffentlichkeit zunächst unbemerkt, hat Olaf Scholz (SPD) Anlegern einen echten Steuerhammer verpasst. Versteckt hatte der Finanzminister den in einem kurz vor Weihnachten verabschiedeten und vollkommen unverdächtig klingenden Gesetz zu „grenzüberschreitenden Steuergestaltungen“. Ein Schelm, wer böses dabei denkt - oder gar an ein trojanisches Pferd. Bereits ein Jahr zuvor hatte Scholz versucht, seinen Steuerhammer im Gesetz zur „steuerlichen Förderung der Elektromobilität“ zu verstecken, war damit jedoch gescheitert. Diesmal war er erfolgreich.

Die Folge: Seit Anfang 2020 können Anleger Totalverluste steuerlich nur noch bis zur Höhe von 10.000 Euro pro Kalenderjahr ansetzen. Erzielt ein Anleger also einen Gewinn von 100.000 Euro mit einer Anlage, erleidet jedoch mit einer anderen einen Totalverlust in gleicher Höhe, hat er nach Adam Riese unter dem Strich nichts verdient und musste folglich bislang auch keine Steuern zahlen. Olaf Scholz hingegen rechnet anders. Ab 2020 gilt: Die 100.000 Euro Gewinn unterliegen voll der Steuer, vom Totalverlust in gleicher Höhe werden jedoch nur 10.000 Euro anerkannt. Zu versteuern sind also 90.000 Euro rein fiktiver Gewinn. Macht beim Abgeltungssteuersatz von 25% zzgl. Soli 23.738 Euro Steuern - und das bei 0 Euro Gewinn.

Noch verrückter wird es für Anleger mit Derivaten wie Optionsscheinen und Hebelzertifikaten. Für sie sieht das bereits beschlossene Gesetz vor, dass ab 2021 Gewinne und Verluste in einem neuen Verlusttopf isoliert werden und selbst innerhalb dieses nur noch bis zu einer Höhe von 10.000 Euro pro Jahr miteinander verrechnet werden dürfen. Die Folge: Geschäfte mit Derivaten sind für Privatanleger ab 2021 steuerlich brandgefährlich. Im Extremfall kann die Steuerbelastung am Jahresende höher ausfallen als das gesamte Depotvolumen. Das könnte die Anfang 2019 noch belächelte Enteignungsphantasie von Kevin Kühnert (SPD) für Derivate-Anleger ab 2021 zur bitteren Realität machen.

Während Scholz die steuerlichen Daumenschrauben für Anleger drastisch anzieht, verwehrt er ihnen gleichzeitig steuerliche Entlastungen, selbst wenn diese bereits versprochen waren. So bleibt der Soli für Kapitalerträge - und damit für alle Sparer und Anleger - unverändert erhalten. Wie sich das mit Scholz‘ Aussage verträgt, der Soli wäre ab 2021 für rund 90% aller Steuerzahler abgeschafft, weiß vermutlich nur er selbst.

Und als wäre all das nicht genug Hiobsbotschaft für diejenigen, die sich durch eisernes Sparen um ihre Altersvorsorge kümmern, um später nicht dem Sozialstaat auf der Tasche zu liegen, hat Scholz noch einen weiteren Tiefschlag parat: Einen neuen Anlauf zur Finanztransaktionssteuer. Die hat der Finanzminister allerdings zu einer reinen Steuer für Aktiensparer verbogen. Besteuert werden soll der Kauf von Aktien großer Firmen ab einem Börsenwert von 1 Mrd. Euro mit einem Steuersatz von 0,2%. Die Zockerei in sogenannten „Small Caps“, das Daytrading sowie hochspekulative Derivate sollen hingegen von der Finanztransaktionssteuer ausgenommen werden. Damit führt Scholz die nach der Finanzkrise 2009 entstandene Idee, die Krisenverursacher wie Banken und Hedgefonds nachträglich zur Kasse zu bitten, völlig ad Absurdum.

Die gute Nachricht: Im IAC sind wir vom gesamten Steuer-Irrsinn des Finanzministers kaum betroffen. Mit unserem IAC-Club-Fonds profitieren wir vielmehr auch weiterhin vom sogenannten Fondsprivileg. Demnach bleiben Gewinne und Verluste innerhalb unseres Fonds nicht nur weiter unbegrenzt verrechenbar, sondern die Kursgewinne im Fonds auch zu 100% steuerfrei. Auch die Teilfreistellung, nach der Anleger in unserem Fonds nur 70% aller Erträge versteuern müssen und 30% steuerfrei kassieren, bleibt erhalten.

Dennoch halten wir die Scholz-Pläne für wahren Steuer-Irrsinn. In einer Nullzins-Welt, in der es Anleger bei Vermögensaufbau und Altersvorsorge ohnehin schon schwer genug haben, sollte die private Vermögensbildung steuerlich gefördert werden, anstatt Anlegern mit völlig irren Steuergesetzen auch noch an die Substanz ihres sauer Ersparten zu gehen. Wenn Sie das auch so sehen, beteiligen Sie sich doch an der Petition der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) gegen den Steuer-Irrsinn unter https://www.dsw-info.de/steuerirrsinn/

Stoppt den Steuer-Irrsinn!


Weiterführende Links zum Steuer-Irrsinn:

ARD-Börse: „Warnungen vor Aktiensteuer: Es trifft die Falschen!“

Wirtschaftswoche: „Der Soli fällt weg? Nicht für Sparer!“

Focus-online: „Achtung Anleger – Staat kassiert nun selbst bei Verlusten mit!“

Mit besten Grüßen


Ihr 

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Joerg Wiechmann

ist Geschäftsführer der TOP Vermögensverwaltung und des Itzehoer Aktien Clubs. Sein Spezialgebiet sind internationale Qualitätsaktien. Er lebt derzeit in Hamburg und Itzehoe. Jörg publiziert ca. einmal pro Monat auf goldgeldwelt.de.

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