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29. Juli 2016

Stop-Loss-Orders: Der Trader- Trick beschert Anlegern oft Verluste

Lohnt es sich, Aktienpositionen mit Stop-Loss-Orders „abzusichern“? Es kommt darauf an. Trader nutzen dieses Tool manchmal sehr erfolgreich, langfristig orientierte Anleger hingegen erleiden durch Stop-Loss jedoch oft genau was sie eigentlich vermeiden wollen: Verluste. Der nachfolgende Börsenkommentar von Jörg Wiechmann vom Itzehoer Aktienclub (IAC) erklärt sehr schön die Risiken.

Stop Loss Kurs

Sicherheit über alles, so das Motto der Deutschen beim Thema Geldanlage. Kein Wunder, dass Aktien mit ihren Kursschwankungen da auf der Beliebtheitsskala unter „ferner liefen“ rangieren. Allerdings: Angesichts zementierter Nullrenditen bei vermeintlich sicheren Zinsanlagen gelten Dividendentitel selbst unter deutschen Anlegern zunehmend als alternativlos. Doch wenn schon Aktien, dann bitte mit Verlustbremse. Mehr als 10 % seines Geldes möchte man schließlich auf keinen Fall verlieren. Kein Wunder also, dass sogenannte Stop-Loss-Orders angesichts wieder steigender Aktionärszahlen derzeit eine Renaissance erfahren.

Dabei erteilt man – zumeist gleich beim Kauf einer Aktie – den Auftrag, das Papier wieder zu verkaufen, sobald der Kurs um einen bestimmten Prozentsatz fällt. So lässt sich der maximale Verlust auf beispielsweise 10 % begrenzen. Für Neu-Einsteiger an der Börse klingt das erst einmal verlockend. Und selbst unter erfahrenen Anlegern kommen Stop-Loss-Orders regelmäßig in Mode, zumeist in der Urlaubszeit. Wer möchte schon riskieren, sich im Rahmen seines wohlverdienten Jahresurlaubs für 2 oder 3 Wochen aus dem Börsen- und Wirtschaftsgeschehen auszuklinken und bei seiner Heimkehr festzustellen, dass die eigenen Aktien sich in der Zwischenzeit halbiert haben? Dann doch lieber schnell vor der Abreise noch eine Stop-Loss-Order platzieren.

Leider funktioniert diese Strategie nicht wirklich. Denn dummerweise kann man nach einem Verkauf der Aktie an der oft folgenden Kurserholung nicht mehr partizipieren. Das Einzige, was man sich mit einer Stop-Loss-Order wirklich sichert, ist daher der zuvor definierte Verlust. Wer beispielsweise Anfang Juni diesen Jahres sein Depot mit einer 10 %-Stop-Loss-Order abgesichert hat, um sich danach in den Urlaub zu verabschieden oder alternativ, um sich vor den Gefahren des damals bevorstehenden Brexit-Referendums zu schützen, der stand Ende Juni ohne Aktien da. Dafür aber mit 10 % Verlust. Schließlich war die Börse in den Tagen nach dem überraschenden Brexit-Votum eingebrochen. Die Stop-Loss-Order sorgte dafür, dass die Aktien aus dem Depot flogen, um weitere Kursverluste zu verhindern.

Anstatt zu weiteren Verlusten kam es allerdings im Juli zu einer satten Kurserholung – ohne den Stop-Loss-Anleger. Zusätzlich zum unnötigen Verlust von 10 % steht solch ein Anleger nun vor der Frage, wann er wieder einsteigen soll? Und falls das aus Sicherheitsgründen auch wieder mit einem 10 %-Stop-Loss-Limit passieren soll: Wer garantiert, dass sich das Drama danach nicht wiederholt und sich sein Gesamtverlust so auf zwei mal 10 %, in Summe also 20 %, ausweitet ?

Ein Ausnahmefall meinen Sie ? Keinesfalls. Der DAX beispielsweise hat sich in den letzten 5 Jahren von leicht über 5.000 Punkten auf aktuell über 10.000 Punkte glatt verdoppelt. Allerdings gab es in der Zwischenzeit 10 Kurskorrekturen von 10 % oder mehr. Ein Langfristinvestor hätte sein Geld unter Inkaufnahme der Schwankungen verdoppelt. Ein Stop-Loss-Anleger mit entsprechender Verlustschwelle wäre in diesem Zeitraum hingegen 10 mal ausgestoppt worden und hätte so 10 mal einen Verlust von 10 % eingefahren. An den folgenden Aufschwüngen hätte er hingegen nicht partizipiert. Unterm Strich stünde so anstatt einer Verdoppelung des Vermögens ein herber Verlust – und das trotz oder vielmehr gerade wegen Stop-Loss.

Warum sich der Mythos einer Risikobegrenzung bei der Aktienanlage mit Stop-Loss-Orders dennoch hartnäckig hält? Fragen Sie sich einmal, wer von einer häufigen Umschichtung Ihres Aktiendepots profitiert. Richtig: die Bank. Mit jeder Order verdient sie Provisionen. Für den Anleger hingegen gilt die alte Börsenregel: „Hin und her macht Taschen leer“. Lassen Sie sich also nicht weismachen, mit Stop-Loss-Orders könnten Sie vom langfristigen Ertragspotenzial von Aktien profitieren und dabei gleichzeitig Verluste begrenzen.

Wer Sicherheit bei der Aktienanlage sucht, findet diese in einer breiten Streuung und der Konzentration auf Qualitätsaktien. Konzerne wie McDonald´s, Coca-Cola, BMW oder Microsoft haben schon viele Krisen überstanden und dabei langfristig ihren Wert vervielfacht. Gegen die dabei auftretenden Kursschwankungen ist kein Kraut gewachsen. Diese besonnen zu ertragen und geduldig auszusitzen ist die eigentliche Aufgabe eines Aktionärs. Genau dafür wird er am Ende mit hohen langfristigen Renditen fürstlich entschädigt.

Quelle

Itzehoer Aktienclub (Juli 2016): Stop-Loss

Der Itzehoer Aktienclub ist mit über 3000 Mitgleidern und 50 Mio. € im Gemeinschaftsdepot der größte Aktienclub Deutschlands. Fondsanleger haben z.B. die Möglichkeit, mit dem TOP-Investors Global Dachfonds die Anlagen von zehn erfolgreichen Fondsmanagern nachzubilden . Mehr Infos unter www.iac.de.

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Florian Munsch

ist Herausgeber und Chefredakteur von goldgeldwelt.de. Er interessiert sich vor allem für Edelmetall- und Rohstoffaktien und verfügt über ein weitreichendes Netzwerk an professionellen Kontakten in Europa, Nordamerika und Australien. Florian ist studierter Naturwissenschaftler (M.Sc.), lebt derzeit in Hamburg und liebt Kampfkunst, gutes Essen und lange Unterhaltungen über Wirtschaft und Finanzen.

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