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8. Januar 2020

Optimistisch in 2020


Müsste man das Börsenjahr 2019 in nur einem Satz zusammenfassen, dann in diesem: „Die Pessimisten hatten die Schlagzeilen, die Optimisten die Gewinne“. Was gab es nicht alles an Grund zur Sorge: gleich zu Jahresanfang die weltweit drohende Rezession, danach die monatelange Eskalation von Strafzöllen zwischen den USA und China, im Sommer der Streit mit dem Iran um festgesetzte Öltanker gefolgt von einer Erhöhung des Strafzinses im September durch die EZB. Dazu das ganze Jahr über das Gezeter um den Brexit. Und mit dem Dezember 2018, als schlechtestem Dezember seit 1931 im Rücken, noch eine panische Stimmung beim Start ins Börsenjahr 2019. Wasser also das ganze Jahr über auf die Mühlen der Pessimisten und Schwarzseher.

Trotz allem glänzten Aktien 2019 einmal mehr und stehen kurz vor Jahresende mit über 20% im Plus. Wohl dem, der sich angesichts der Negativschlagzeilen des Jahres 2019 seinen Optimismus bewahrt hat.

Doch mit 2019 endete nicht nur ein gutes Börsenjahr, es endete auch ein Börsenjahrzehnt. Die Schlagzeilen hatten auch hier die Pessimisten: Gleich zu Beginn der Dekade brach ab 2010 die Euro-Krise über uns herein. 2011 dann die Atomkatastrophe von Fukushima sowie der Syrienkrieg und die Ausbreitung des Islamischen Staates. Ab 2015 folgten erst Flüchtlings-, dann Diesel- und zuletzt die Klimakrise. Nicht zu vergessen die seit 2016 latente Brexit-Krise und der seit 2017 wütende Handelskrieg. Hinzu kam auch für das auslaufende Börsenjahrzehnt eine denkbar schlechte Ausgangslage: so startete es unmittelbar mit der Finanz- und Weltwirtschaftskrise von 2009 im Rücken. An guten Gründen zum Schwarzsehen fehlte es also auch beim Blick auf das letzte Jahrzehnt nicht.

Dennoch war es für Aktionäre eine ertragreiche Dekade: Gemessen am Welt-Aktien-Index haben Aktionäre ihr Vermögen zwischen Ende 2009 und Ende 2019 mehr als verdreifacht. Aus 300.000 Euro wurden so rund 1 Mio. Euro. Wer sich hingegen angesichts der Vielzahl von Krisen vom Pessimismus anstecken ließ und sein Geld auf dem vermeintlich sicheren Sparbuch hortete, verfügt auch heute nach 10 Jahren mangels Zinsen über kaum mehr als seine seinerzeit angelegten 300.000 Euro. Deren Kaufkraft ist allerdings inflationsbedingt auf nur noch rund 260.000 Euro gefallen.

Was lernen wir daraus? Nun, vor allem, dass die Börsenweisheit nach der die Pessimisten die Schlagzeilen haben, die Optimisten aber die Gewinne, stimmt. Es lohnt sich daher, optimistisch zu sein. Dass das nicht ganz einfach ist, ist mir wohl bewusst. Denn erstens droht ja, wie der Blick in die Vergangenheit beweist, tatsächlich stets schon die nächste Krise am Horizont. Und zweitens wird der Optimist gemeinhin als Naivling belächelt, während der Pessimist als kritischer Geist hohes Ansehen genießt.

An der Börse stehen Pessimisten dennoch auf verlorenem Posten: ein Pessimist wagt den Aktienkauf nämlich erst dann, wenn alle Gefahren gebannt scheinen und von allen Seiten eitel Sonnenschein herrscht. Genau dann aber sind Aktien teuer, da alle – selbst die Pessimisten – nun an die Börse eilen. Ziehen dann irgendwann dunkle Wolken am Börsenhimmel auf und die Kurse gehen auf Talfahrt, sieht sich der Pessimist bestätigt und verabschiedet sich schnell wieder von der Börse. Das Ergebnis: Anders als der Optimist, der mit seinen Aktien durch dick und dünn geht und so vom langfristigen Aufwärtstrend der Börse profitiert, kauft der Pessimist tendenziell teuer und verkauft billig.

Doch nicht nur an der Börse leben Pessimisten gefährlich. Laut medizinischen Studien sind Optimisten gesünder und leben im Schnitt 15% länger als Pessimisten. Auch für Nicht-Aktionäre also Grund genug, sich für 2020 ein wenig mehr Optimismus vorzunehmen.

Mit besten Grüßen


Ihr

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Joerg Wiechmann

ist Geschäftsführer der TOP Vermögensverwaltung und des Itzehoer Aktien Clubs. Sein Spezialgebiet sind internationale Qualitätsaktien. Er lebt derzeit in Hamburg und Itzehoe. Jörg publiziert ca. einmal pro Monat auf goldgeldwelt.de.

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