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17. November 2015

Märkte 2016: Ein Bericht vom 8. Hamburger Forecast-Forum

Was erwarten ein Hamburger Wirtschaftsprofessor und Experten einer dänischen und einer deutschen Bank vom Wirtschaftsjahr 2016? In Hamburg fand gestern zum achten Mal ein Forecast-Forum statt, bei dem mehrere Spezialisten in Kurzvorträgen eine Einschätzung zur Entwicklung der Märkte im kommenden Jahr abgaben. Auch die Teilnehmer wurden in einem Tippspiel zur Prognose animiert.

Handelskammer Hamburg

US-Zinswende erwartet, jedoch noch nicht im Euroraum

Prof. Dr. Henning Vöpel vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), Dr. Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank AG und Bjørn Schwarz von der Sydbank A/S schienen sich in einem zentralen Punkt einig zu sein: Die Zinswende wird kommen; in den USA noch vor Europa.

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat in den vergangenen Jahren schon mehrfach angekündigt den Leitzins (Einlagezins) wieder anzuheben und hat es schließlich doch nicht getan. Im Dezember 2015 soll nun tatsächlich die Wende eingeleitet werden. Prof. Henning Vöpel vom HWWI erwartet, dass im Dezember die erste Erhöhung des Zinssatzes nun tatsächlich stattfinden wird, betonte in seinem Vortrag aber, dass der Zinspfad die eigentlich wichtige Frage sei. Desweiteren gab Prof. Henning Vöpel zu bedenken, dass die Federal Reserve in US-Wahljahren in der Vergangenheit eher zurückhaltend mit deutlichen Zinsschritten war.

Dr. Cyrus de la Rubia glaubt ebenfalls an eine erste Erhöhung des Einlagezinses im Dezember 2015 und erwartet innerhalb von 12 Monaten bzw. spätestens 18 Monaten, die Zinswende. Bis 2017 prognostiziert er einen Einlagezins von ca. 1,5 % in den USA. Beim Einlagezins der Eurozone erwartet er allerdings in der nächsten Zeit noch keinen Anstieg.

Bjørn Schwarz prognostiziert für das Jahr 2016 einen steigenden amerikanischen Leitzins (auf maximal 2,5 %). Für den Euroraum thematisierte der Experte sogar negative Einlagezinsen (z.B. -0,3 %). Als Vertreter einer dänischen Bank konnte Bjørn Schwarz von den zeitweise negativen Leitzinsen in Dänemark direkt berichten. Seine Prognose fiel für den Euroraum in 2016 zwar schwach positiv aus, negative Einlagezinsen seien jedoch nach skandinavischem Modell auch für die Eurozone durchaus denkbar. Bjørn Schwarz rechnet damit, dass Mario Draghi der Druck auf den Einlagezins nicht ausreichen wird, die EZB werde ihr Anleihenkaufprogramm wahrscheinlich fortsetzen.

Von Rohstoffen und Schwellenländern

Der HWWI-Rohstoffpreisindex zeigt, dass im Jahr 2015 die Rohstoffmärke auf niedrigem Niveau verharren.

HWWI Rohstoffpreisindex 2015

Dr. Cyrus de la Rubia wies auf die allgemein niedrigen Rohstoffpreise hin und thematisierte kurz die Probleme, die dadurch vor allem für Schwellenländer entstehen können, die stark vom Rohstoffexport abhängig sind. Bezüglich der schwächelnden chinesischen Konjunktur und den immer wieder nach unten korrigierten Wachstumsprognosen für China, blieb Dr. Rubia allerdings gelassen. Ein Abschwächen des Wachstums sei „vollkommen normal“ und historisch auch bei anderen stark wachsenden Volkswirtschaften irgendwann zu sehen gewesen.

Bjørn Schwarz äußerte deutliche Sorge um viele vom Rohstoffexport abhängige Schwellenländer. Für 2016 erwartet er weiterhin ein niedriges Niveau der Rohstoffpreise. Vor allem Brasilien und Russland müssten deshalb 2016 mit verstärkten finanziellen Problemen rechnen. Aber auch andere Länder, vor allem in Afrika und Südamerika (Mexiko ausgenommen), könnten weiter unter Druck geraten.

Moderat optimistisches Fazit der Experten und der erhobene Zeigefinger

Insgesamt herrschte auf dem 8. Hamburger Forecast-Forum ein zurückhaltender Optimismus für das nächste Jahr. Die Erwartung einer baldigen Zinswende und einer leicht anziehenden Inflation standen im Fokus. Die Referenten und viele Teilnehmer erwarten ein relativ ähnliches Marktjahr 2016 im Vergleich zum aktuellen Jahr, wenngleich in vielen Punkten differenziert wurde.

Bjørn Schwarz schätzt beispielsweise das Potenzial des DAX stärker ein als das des amerikanischen Index S&P 500, unter anderem weil Europa weiterhin expansive Geldpolitik betreiben werde. Er wies darauf hin, dass Aktien „auf der Jagd nach Rendite“ weiter übergewichtet werden könnten. Dr. Cyrus de la Rubia sprach kurz die Deflationsangst an, jedoch ohne tiefer darauf einzugehen. Außerdem spielte er ein Gedankenszenario durch, für den Fall, dass (wider seiner Erwartungen) keine Zinswende stattfinden sollte. In diesem Fall warnt er vor dem Risiko vom Aufbau von Vermögenspreisblasen.

Am deutlichsten wurde jedoch Prof. Dr. Henning Vöpel, der trotz seiner verhalten optimistischen Marktprognose für 2016 ein „hohes Rückschlagpotenzial“ betonte. Er drückte Sorge um die dauerhaft expansive Geldpolitik und die weltweite Schuldenproblematik aus. Eine größere Marktkorrektur hält der Experte für notwendig, rechnet jedoch noch nicht im kommenden Jahr damit.

„Wir verschieben die erforderliche Marktkorrektur noch weiter in die Zukunft“ – Prof. Dr. Henning Vöpel, HWWI

Meine Meinung: Täuschungsmanöver JA, echte Zinswende NEIN

Ich stimme den Experten des 8. Hamburger Forecast-Forum in vielen Punkten zu, gerade was viele (kurzfristige!) Prognosen für den Zeitraum eines Jahres betrifft. Ich möchte jedoch hinsichtlich einer anstehenden Zinswende entschieden widersprechen.

Wie ich in meiner Marktprognose 2016 im Marktreport für Gold und Silber kurz beschrieben habe, erwarte ich von den wichtigen Notenbanken weltweit auch im folgenden Jahr eine expansive Geldpolitik, jedoch keine echte Zinswende. Die Federal Reserve hat zunehmend das Problem des Vertrauensverlustes. Anleger spekulieren inzwischen auf weitere Aufschiebungen der Zinswende. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Fed aus strategischen Überlegungen heraus die Zinsen schon bald mehrmals hintereinander minimal anheben wird, um dieses Misstrauen in die eigene (Des-)Informationspolitik zu brechen.

Diese anstehende Zinsanhebung halte ich jetzt schon für ein Täuschungsmanöver der Fed, um weiterhin die Erwartung von Marktteilnehmern hinsichtlich steigender Zinsen zu beeinflussen. Eine nachhaltige Zinswende mit einer Entwicklung des Einlagezinses über einige Jahre zu 4 % oder mehr halte ich für unrealistisch. Um eine Deflation, die nächste weltweite Rezession oder sogar den großen Crash weiter in die Zukunft zu verschieben, rechne ich damit, dass die Notenbanken noch über Jahre, vielleicht Jahrzehnte (siehe Beispiel Japan) keine signifikante Zinswende zulassen werden. Dass eine größere Marktkorrektur bzw. ein weltweiter Crash der Märkte schließlich doch kommen wird ist in meinen Augen unumgänglich.

Leitzinsen Fed, EZB, Großbritannien, Japan. Quellle: Marktdaten.de und boerse.ard.de

Leitzinsen Fed, EZB, Großbritannien, Japan. Quellle: Marktdaten.de und boerse.ard.de.

Meine Meinung: Rohstoffpreise können noch fallen, müssen aber wieder steigen

Eines vorab: Bei einem Aktiencrash werden auch die Kurse meiner Edelmetall- und Rohstoffaktien fallen. Trotzdem bieten die aktuell niedrigen Rohstoffpreise tolle Einstiegschancen für Investments in diesem hochgradig zyklischen Sektor. Ich bin langfristig extrem bullish vor allem für die monetären Metalle Gold und Silber. Aber auch viele andere Rohstoffe bieten zur Zeit perfekte antizyklische Einstiegschancen. goldgeldwelt.de setzt zur Zeit einen thematischen Schwerpunkt auf diese Anlageklasse. Mein eigenes Portfolio werde ich bald im Dojo (Mitgliederbereich) veröffentlichen. Auch wenn Rohstoffanlagen in den nächsten zwei Jahren weiter fallen sollten oder sich seitwärts bewegen: Ich habe die Chance erkannt und nutze sie gezielt, der Markt wird sich drehen. Wer mehr erfahren möchte, kann den kostenlosen goldgeldwelt.de Newsletter hier abonnieren.

Beste Grüße,

Unterschrift 200x55

Florian Munsch

Gründer & Herausgeber goldgeldwelt.de

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Florian Munsch

ist Herausgeber und Chefredakteur von goldgeldwelt.de. Er interessiert sich vor allem für Edelmetall- und Rohstoffaktien und verfügt über ein weitreichendes Netzwerk an professionellen Kontakten in Europa, Nordamerika und Australien. Florian ist studierter Naturwissenschaftler (M.Sc.), lebt derzeit in Hamburg und liebt Kampfkunst, gutes Essen und lange Unterhaltungen über Wirtschaft und Finanzen.

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