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3. Juni 2019

Grünes Geld?

Klimaschutz und Nachhaltigkeit liegen voll im Trend. Das belegt neben der andauernden „Fridays-for-Future“-Bewegung das jüngste Wahlergebnis der Grünen. Auch bei der Geldanlage ist dieser Trend mittlerweile angekommen: Welcher Investor will schon, dass sein Geld Umweltzerstörung, Kinderarbeit oder gar Rüstungshersteller fördert? Weil auch die Finanzindustrie das Bedürfnis der Anleger nach einem sauberen Gewissen kennt, wirft sie immer mehr Geldanlagen mit Öko-, Nachhaltigkeits- oder Ethik-Stempel auf den Markt. Doch was ist dran an den „grünen“ Geldanlagen: Machen sie die Welt wirklich besser? Oder sind sie nur eine Art moderner Ablasshandel: Man bezahlt etwas Geld - oder verzichtet alternativ auf etwas Rendite - und erkauft sich so im Gegenzug ein reines Gewissen?

Fehlende gesetzliche Definition

Problematisch jedenfalls ist, dass es bislang keine gesetzliche Definition für „grüne“, „ethische“ oder „nachhaltige“ Investments gibt. Angesichts der schwammigen Begriffe, in die man alles und nichts hineininterpretieren kann, wird es die wohl auch in Zukunft kaum geben. Folglich liegt es im freien Ermessen der Anbieter, ihre Produkte mit diesen Begriffen zu schmücken. Für viele ein willkommener Freifahrtschein, um auf den Öko-Trend aufzuspringen und sich selbst ein vermeintlich sauberes Image auszustellen. Untersuchungen der Stiftung Warentest und der Verbraucherzentralen kamen jedenfalls schon vor Jahren zu dem Ergebnis, dass zahlreiche Anbieter Etikettenschwindel betreiben. So dürfte es viele umweltbewusste Anleger verwundern, dass in ihren „grünen“ Fonds regelmäßig Aktien von Firmen enthalten sind, die ein eher fragwürdiges Öko-Image haben.

Gewissen vs. Rendite ?

Hinzu kommt: Nicht nur die Gefahr, einem Etikettenschwindel aufzusitzen ist groß. Auch die Renditeaussichten von ethisch-ökologisch motivierten Investments sind nicht immer erste Wahl. Denn erstens fehlt den meisten Öko- und Ethik-Fonds eine breite Branchenstreuung - die aber ist für eine sichere Geldanlage in Aktien unerlässlich. Und zweitens garantieren grüne Geschäftsmodelle eben noch lange keine nachhaltig gute Rendite. Wer in der Vergangenheit auf Öko-Fonds gesetzt hat, erlebte damit aufgrund des Niedergangs von Solar- und Windkraft-Aktien teils dramatische Kursverluste.

Aktuell leiden zudem viele Öko-Fonds unter dem tiefen Fall der Tesla-Aktie. Die hat sich in den letzten sechs Monaten fast halbiert. Trotz des beeindruckenden Booms hat die Aktie des weltweiten Pioniers für E-Autos Anlegern damit selbst auf Sicht der letzten fünf Jahre keinen Gewinn gebracht.

Nicht selten sind Anleger, die auf der Suche nach dem ökologisch-ethisch reinen Gewissen sind, zudem leichte Opfer für Bauernfänger. Statt Container oder Schiffe werden kurzerhand „grüne“ Anlagen wie Windräder, Solarparks oder Biogasanlagen als Heilsbringer für Klima und Vermögensaufbau beworben – Prokon lässt grüßen.

Was tun ?

Was also tun als Anleger, der sein Geld mit reinem Gewissen investieren möchte? Im IAC nähern wir uns dem Problem, indem wir den schwammigen Begriff „Nachhaltigkeit“ mit konkreteren Attributen wie „dauerhaft“, „beständig“ und „zukunftsfähig“ übersetzen. Wenn ein Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein will, muss das Management zwangsläufig die ökologischen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen richtig einschätzen und entsprechend handeln. Andernfalls dürfte gutes Personal immer schwerer zu gewinnen sein, das öffentliche Image des Unternehmens immer häufiger infrage gestellt und letztlich die Produkte des Unternehmens immer weniger nachgefragt werden.

Oder einfach ausgedrückt: Nachhaltigkeit in Sachen Umwelt, Soziales und Ethik kann es ohne nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg gar nicht geben. Solar-Unternehmen, die zwar „grün“ sind, aber wie hierzulande vor Jahren geschehen reihenweise Pleite gehen, bringen weder der Umwelt, noch den Mitarbeitern oder den Aktionären einen nachhaltigen Nutzen.

Fazit:

Letztlich muss sich jeder Anleger selbst fragen, ob das Thema Geldanlage angesichts der aufgezählten Probleme wirklich das richtige Feld ist, um sich ein gutes Gewissen zu erkaufen – und falls ja, wie? Man muss ja nicht gerade in Rüstungs-Aktien investieren. Was aber nutzt es, bei der Geldanlage auf zweifelhafte ethisch-ökologische Finanzprodukte zu setzen, wenn man im echten Leben einen spritfressenden SUV fährt, beim Textilkauf zu den günstigen Made-in-Bangladesch-Produkten greift und den wohlverdienten Urlaub samt klimaschädlicher Flugreise am anderen Ende der Welt verbringt?

Mit besten Grüßen


Ihr

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Joerg Wiechmann

ist Geschäftsführer der TOP Vermögensverwaltung und des Itzehoer Aktien Clubs. Sein Spezialgebiet sind internationale Qualitätsaktien. Er lebt derzeit in Hamburg und Itzehoe. Jörg publiziert ca. einmal pro Monat auf goldgeldwelt.de.

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