Gold siegt auf der mittleren Distanz

Olympia Gold beißen

Ophirum Marktbericht vom 17.08.2016.

Es ist ohne Frage eines der beliebtesten Bilder dieser Tage: Mit triumphierenden Lächeln steht der oder die Gewinner/-in ganz oben auf dem Siegertreppchen und beißt kamerawirksam in die hart erkämpfte Goldmedaille. Zum Glück für das IOC geht es den Athleten bei diesem „Biss-Test“ offensichtlich mehr um die Show, als um die Prüfung der Echtheit des Metalls. Bei der olympischen Goldmedaille handelt es sich nämlich in Wirklichkeit nur um vergoldetes 925er Silber. In Zeiten millionenschwerer Werbeverträge und anderer Einnahmen für die Veranstalter schiene mir eine 500 Gramm schwere, reine Goldmedaille mit einem Materialwert von knapp 20.000 Euro durchaus als angebracht für die Mühen der Athleten, aber so lange sich die Sieger nicht daran stören, soll dies auch nicht weiter mein Thema sein.

Sönke MißfeldJedenfalls sind Gold und Silber aktuell wieder weltweit in aller Munde – und dass nicht nur bei den triumphalen Olympioniken. Auch viele Anleger haben die „Metalle der Sieger“ wieder für sich entdeckt, wie der aktuelle Bericht des World Gold Councils zur globalen Goldnachfrage eindrucksvoll belegt. Die fast 25 % Wertzuwachs von Gold in US Dollar im ersten Halbjahr 2016 beruhen also nicht auf irgendwelchen ungedeckten Buchgoldspekulationen sondern auf dem soliden Fundament einer hohen Nachfrage nach dem physisch greifbaren Metall. Der Silberkurs stieg in der gleichen Zeit sogar um über 31 % an und machte Gold damit seinen verdienten Platz im Olymp streitig.

Dabei wurde der stärkste Preisanstieg eines ersten Halbjahres seit 1980 sogar noch durch einige Faktoren spürbar abgemildert: Vor allem die Schmuckindustrie, die üblicherweise für fast die Hälfte der Gesamtnachfrage verantwortlich ist, hat aufgrund der hohen Preise wesentlich weniger nachgefragt als im Vorjahr (-17%). Auch die Zentralbanken Russlands, Chinas und Kasachstans haben Ihre starken Käufe aus 2015 deutlich zurück gefahren (-23%). Selbst das Angebot stieg im gleichen Zeitraum um immerhin 8% gegenüber dem Vorjahr an. Und dass, obwohl die Minenproduktion – wie erwartet – ein Plateau zu bilden scheint und ihren Höchststand aus dem Jahr 2015 nicht mehr übertreffen konnte. Die stark gestiegenen Preise führten im zweiten Quartal zu unüblich hohen Rückflüssen aus recyceltem Gold in den Markt.

Es bleiben damit einzig die Investoren, die Gold (und Silber) im Mittelstrecke-Rennen gegen alle anderen Anlageklassen zum Sprung auf das Siegertreppchen verholfen haben. Bemerkenswert ist, dass mit 1064 Tonnen die bisherige Rekord-Investment-Nachfrage aus dem ersten Halbjahr 2009 um satte 16% übertroffen wurde! Im Gegensatz zu damals steckten wir Anfang dieses Jahres jedoch nicht inmitten der größten Finanzkrise seit der großen Depression. Wofür also 2009 noch die weit verbreitetet Untergangsstimmung und Panikkäufe verantwortlich waren, dafür reichte 2016 schon zunehmende Unsicherheit an den Aktienmärkten (v.a. China und Brexit) in Verbindung mit einer besseren Stimmung am Goldmarkt.

Die Ursache hierfür liegt auf der Hand: Nach über 7 Jahren Nullzins-Geldpolitik und Billionen schweren Anleihekaufprogrammen hat sich die Weltwirtschaft kaum erholen können und steht erneut am Rande eines Abschwungs. Stattdessen haben sich die globale Verschuldung und diverse Risiken für die Anleger noch deutlich erhöht. Es steht die berechtigte Frage im Raum, ob die Zentralbanken der nächsten Rezession oder Krise überhaupt noch etwas entgegen zu setzen haben.

Auch das alte Argument „Gold wirft keine Zinsen ab“ hinkt so stark, dass es eigentlich vom Wettkampf ausgeschlossen werden müsste: Inzwischen bringen Anleihen im Gegenwert von über 13 Billionen Dollar dem Käufer negative Erträge. Die Sparzinsen für Festgelder und Einlagen wurden quasi abgeschafft, dafür werden aber vermehrt Gebühren und Strafzinsen erhoben. Die größte Konkurrenz, die Aktien- und Immobilienmärkte, sind vielerorts bereits auf Rekordniveau oder knapp darunter und bleiben in Ihren Entwicklungen extrem abhängig von der Zentralbankpolitik. Gold mag zwar keine Zinsen bringen, aber es beinhaltet im Gegensatz zu allen anderen Anlagen auch kein Ausfallrisiko und setzt sich damit als „alternativlos“ von der breiten Masse der Geldanlagen ab.

Es ist dabei schon fast gleich, wie es weitergeht: Ob politische oder wirtschaftliche Krisen, ob Europa mit Euro oder separate Nationalstaaten mit Währungsreform, ob Negativzinsen oder Helikoptergeld. Mit Gold und Silber setzten Sie auf die einzigen „Athleten“, die sich in allen vergleichbaren Wettkämpfen der Vergangenheit bewähren konnten. Man darf daher getrost davon ausgehen, dass sie auch bei den bereits laufenden Langstreckenrennen wieder alle Hürden überwinden können und sicher in die Medaillenränge kommen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin fröhliche und sichere Sommerspiele.

Ihr Sönke Mißfeld

Dieser Artikel wurde in Kooperation mit der Ophirum GmbH veröffentlicht, einem führenden Edelmetallhändler in Deutschland (hier geht’s zum Onlineshop). Für spannende wöchentliche Analysen von Sönke Mißfeld und anderen Experten empfiehlt goldgeldwelt.de ein Abonnement des Ophirum Goldberichtes.

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