First Mining Finance mit +250% Gewinn teilverkauft

Liebe Leser,

wie Sie sicher festgestellt haben, liegt der Schwerpunkt von goldgeldwelt.de eher auf allgemeinen Marktkommentaren, nicht auf der Vorstellung immer wieder neuer Trading-Möglichkeiten, wie sie es von manchen Börsenbriefen her kennen. Und das ist auch gut so! Der Grund ist, dass ich selbst höchst selektiv und langfristig investiere und Ihnen als Leser aus moralischer Sicht nicht jede Woche ein neues „heißes“ Investment vorstellen will, wenn ich selbst nicht überzeugt genug bin, um mein eigenes Geld zu riskieren.

Gelegentlich möchte ich Sie zukünftig trotzdem an meinen persönlichen Investment-Entscheidungen teilhaben lassen. Bitte beachten Sie den rein informativen Charakter. Artikel wie dieser sind eher eine Art öffentliches Investment-Tagebuch und keine Anlageberatung. Lassen Sie sich inspirieren, recherchieren Sie weiter und bilden Sie Ihre eigene, unabhängige Meinung zu meinen Entscheidungen.

250% Gewinn in weniger als zwei Jahren

Vor ca. 1,5 Jahren (im Juni 2015) hatte ich Sie zum ersten Mal auf die damals frisch gegründete kanadische Firma First Mining Finance (TSXV: FF) aufmerksam gemacht. Im September 2015 hatte ich eine Möglichkeit beschreiben, wie man durch einen Trick nochmal günstiger an First Mining Finance Aktien herankommen konnte. Ich selbst hatte die Möglichkeit genutzt und bin zu ziemlich genau $ 0,30 CAD bei First Mining eingestiegen.

Nachdem sich der Kurs bis Sommer 2016 mehr als verdreifacht hatte, setzte wie im gesamten Goldmarkt bis Ende 2016 eine Korrektur ein, die nun im Umfeld erneut steigender Goldpreise überwunden scheint. Heute habe ich erstmalig seit Kauf von First Mining Finance einen Teil meiner Position mit 250% Gewinn verkauft.

Warum habe ich erste Gewinne realisiert?

Ich denke immernoch, dass die First Mining Finance Kurse bei steigendem Goldpreis ebenfalls überproportional steigen werden. Es ist jedoch Teil meiner generellen Anlagestrategie „auf dem Weg nach oben“ gelegentlich Gewinne mitzunehmen und das (bekannte und unbekannte) Risiko meiner Positionen somit zu reduzieren. Aufgrund des starken Wertzuwachses hatte FF zudem einen zu großen prozentualen Anteil meines spekulativen Portfolios eingenommen, wodurch ein Klumpenrisiko entstand. Es war also an der Zeit, ein paar Gewinne einzusammeln.

Ein weiterer Grund ist: Das Flagschiff-Projekt Springpole von First Mining Finance ist eventuell riskanter als ich bisher angenommen hatte.

Was Ihnen sonst niemand über First Mining Finance erzählt…

First Mining Finance ist eine vergleichsweise stark promotete Aktie. Mehrere einflussreiche, internationale Börsenbriefe preisen die Firma unentwegt an und werden dafür bezahlt. Ein gutes Marketing ist aus unternehmerischer Sicht für kleinkapitalisierte Unternehmen durchaus sehr wichtig, da höhere Kurse die Kosten für Anschlussfinanzierungen verringern.  „Gepushte“ bzw. stark beworbene Firmen sind also nicht zwangsläufig schlecht. Sie sind aber auch nicht zwangsläufig gut. Ich selbst investiere in solche Unternehmen in der Regel entweder früh (bevor jeder Börsenbrief drüber schreibt und die Kleininvestoren-Schaar genau die Aktien kauft, die frühe Financiers abstoßen) oder garnicht. Im Falle von First Mining war ich abgesehen von den Direktanlegern über private placements ein früher Vogel im allgemeinen Markt, was sich nun auszahlt.

Goldunzen-Aufteilung der verschiedenen Projekte von First Mining Finance. Quelle: Unternehmenspräsentation First Mining Finance

Wenn Sie einen Blick in die Unternehmenspräsentation werfen, können Sie sehen, dass ein Großteil der von First Mining gehaltenen Goldunzen im Boden zum Flagschiff-Projekt Springpole in Kanada gehören. Ich habe Ihnen die entscheidende Grafik hier dargestellt. Mit 4,4 Mio. Goldunzen der Kategorie „Indicated“ und 690.000 Goldunzen der Kategorie „Inferred“, ist Springpole das mit Abstand wichtigste Projekt im Portfolio von First Mining.

Was in privaten Gesprächen mit dem Management offen kommuniziert wird, allerdings in der Allgemeinheit fast niemand weiß: Springpole befindet sich zu 75% unter Wasser.

Blick auf das Springpole Projekt von First Mining Finance. Quelle: IKN
Das Springpole Projekt von First Mining Finance liegt zu 75% unter Wasser. Quelle: Angry Geologist.

Solche erheblichen Wassermassen können per se für ein Rohstoffprojekt eine Herausforderung sein. Entscheidend könnte jedoch der Umweltaspekt sein. Um an Stelle des heutigen Sees theoretisch irgendwann mal eine Mine zu errichten, wäre ein nicht unerheblicher ökologischer Eingriff nötig. Von den implizierten direkten Umweltauswirkungen einmal abgesehen, wäre der Genehmigungsprozess, assoziiert mit einem Environmental Impact Assessment höchstwahrscheinlich problematisch. Der Orginaluntertitel vom Urheber der Karte lautet übrigens folgendermaßen: „I’ve added some traditional Canadian fishes to make this image more sexy.„, was wahrscheinlich auf die teils unter Naturschutz stehenden Fischarten im besagten See anspielt.

Obwohl es sich bei Springpole um eines der größten unentwickelten Goldprojekte Kanadas handelt, steht es noch in den Sternen, ob das Projekt im aktuellen Marktzyklus in Produktion gehen wird.

Meine neue Einschätzung

Ich möchte meine Einschätzung zu First Mining Finance von 2015 nun erneuern. Mein Anlagehorizont beträgt weiterhin mehrere Jahre, für mich ist FF jedoch kein eindeutiges buy-and-hold-Investment (über die Rohstoffzyklen hinweg) mehr. Das mit dem Springpole Projekt assoziierte Risiko kann ich zur Zeit schwer einschätzen.

Dennoch hat die Firma bei steigenden Goldpreisen wahrscheinlich noch starkes Kurspotenzial nach oben, da der Markt den bislang wirklich überaus günstig erworbenen Goldunzen im Boden einen steigenden Wert zuordnen wird, was für die zukünftige Bewertung von  First Mining Finance förderlich sein wird. Durch gezielte Bohrprogramme wird übrigens in der letzten Zeit zusätzlich versucht, die Bewertung von Springpole weiter zu steigern.

Nicht außer Acht lassen darf man allerdings die generelle Strategie von First Mining Finance. Keith Neumeyer, Patrick Donnelly und der Rest des Managementteams wollten eine „mineral bank“ erschaffen, die in einer äußerst depressiven Marktstimmung günstig Goldunzen im Boden kauft, um diese wenn der Markt wieder in Euphorie angelagt ist, teurer zu verkaufen oder über Royalty- und Streaming-Deals die Rechte zu nutzen. Ich denke nicht, dass Keith und seine Mannschaft im Traum daran denken, Springpole selbst zu einer Mine zu entwickeln, sondern nur auf das richtige Angebot warten und somit tatsächlich Shareholder-Value erzeugen. So läuft das Geschäft.

Ich habe heute bei +250% Gewinn angefangen und plane „auf dem Weg nach oben“ auf jeden Fall meinen Anteil an FF weiter leicht zu reduzieren. Ich werde jedoch aufgrund der für mich neuen „Unter Wasser“-Erkenntnisse sicher nicht panikartig sofort meine gesamte Position auflösen. First Mining Finance bleibt eine spannende Firma, die ich weiter im Auge und im Portfolio behalten werde.

Beste Grüße

Ihr

Florian Munsch

(Herausgeber)

Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte:

Der Autor besitzt Aktien von First Mining Finance. Es besteht momentan (24.02.2017) keine finanzielle Abhängigkeit zu First Mining Finance durch Sponsoring oder Werbeverträge.

Quellen & Links:

First Mining Finance: Unternehmenspräsentation

IKN: Hiding the fatal flaw from retail idiots, First Mining Finance (FF.v) at Springpole edition (Feb. 2017)

Angry Geologist: Lies, damn lies and metallurgical studies – part 2 (Feb. 2017)

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