Aktien, Edelmetalle, Rohstoffe

Drei Experten. Drei Meinungen. Eine Webseite

Erfahre hier, wie du von unserem know-how protifieren kannst!

4. November 2017

Der Mythos vom freien Edelmetallmarkt (Teil 1/2)

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell sich langjährige offizielle Erzählweisen ändern können, sobald unbestreitbare Widersprüche zu Tage treten. Noch vor wenigen Jahren belächelte der Mainstream die Vorwürfe unzähliger Analysten zu den Manipulationen der Gold- und Silberkurse und tat jegliche Hinweise in diese Richtung als unhaltbare Verschwörungstheorien ab. Dank der erfolgreichen Prozesse gegen die beteiligten Bullionbanken in den vergangen Jahren ließen sich die (für objektive Marktbeobachter schon lange unübersehbaren) Eingriffe nun nicht mehr leugnen.

Leider wurde diese kurze öffentliche Aufmerksamkeit auf diesem gewichtigen Thema nicht genutzt, um das gesamte Ausmaß aufzudecken und strafrechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen einzufordern. Stattdessen konnten die finalen Urteile – wie so oft – durch vorzeitige Vergleichszahlungen vermieden werden und die offizielle Narrative änderte sich lediglich darauf, dass einige Händler ihre privilegierten Zugänge zum Markt zur persönlichen Bereicherung missbraucht hätten.

Die systematische „Preisdrückung“ bei den Edelmetallen hingegen bleibt weiter im Verborgenen. Dabei haben Marktbeobachter wie Steve St. Angelo oder Theodore Buttler sowie die eigens zu diesem Zweck gegründete GATA (Gold Anti-Trust-Action committee) hier schon seit Jahren erdrückende Beweise zusammengetragen und vorgelegt, mit deren Hilfe sogar ein Jurastudent im ersten Semester einen fairen Prozess gewinnen müsste. Aber es hat natürlich einen guten Grund, dass all diese Fakten nahezu wirkungslos verpuffen: Die Staaten und Zentralbanken zählen selbst zu den Urhebern und größten Nutznießern dieser Marktbeeinflussungen und haben damit keinerlei Interesse an einer Aufklärung! Die Tatsache, dass Presse und Rechtsstaat hierzu aktiv schweigen kann nur als weiterer Beleg für die verborgene Einflussnahme der beiden mächtigsten Institutionen verstanden werden.

Als Herausgeber ungedeckten Fiat-Geldes liegt es in der Natur der Sache, den alt bewährten Vorgängern Gold und Silber möglichst viel ihres ewigen Glanzes nehmen zu müssen. Durch ihre natürliche Knappheit sind sie in der Werterhaltungsfunktion überlegene Konkurrenten des beliebig vermehrbaren Papier- und Kreditgeldes. Freie Marktpreise würden den kontinuierlichen Wertverlust der gesetzlichen Zahlungsmittel schonungslos offenlegen und sie frühzeitig ihrer wichtigsten wertgebenden Eigenschaft berauben: Unseres Vertrauens.

Die Vorgehensweise beim Goldpreismanagement hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert und wurde den Möglichkeiten angepasst. Früher musste man den unerwünschten Nachfrageschüben in Folge der übermäßigen Herausgabe von Papiergeld noch durch gesetzliche Einschränkungen des Goldhandels oder den Verkauf eigener Reserven entgegenwirken. Eine aufwendige, auffällige, teure und vor allem endliche Methode, wie die Geschichte zeigt.

Die USA hielten nach dem Krieg mit rund 22.000 Tonnen über zwei Drittel der internationalen Goldreserven und hatten damit eine, vorsichtig gesagt, „gute Verhandlungsgrundlage“ für das 1944 beschlossene Bretton-Woods-Währungssystem. Alle teilnehmenden Länder koppelten ihre heimischen Währungen zu nahezu festen Kursen an den US-Dollar, welcher somit als dominante internationale Handels- und Reservewährung etabliert wurde. Der Dollar wiederum konnte als einzige Währung zu einem festen Kurs von 35 Dollar je Unze in Gold umgetauscht werden, was als Wertgarantie für die im Ausland umlaufenden US Dollar dienen sollte.

Natürlich nutzen die USA dieses Privileg über das Maß aus und brachten weit mehr Papier-Dollar in Umlauf, als durch ihr Gold gedeckt war. Insbesondere die sehr teuren Kriege in Korea und Vietnam beschleunigten den Abwertungsdruck auf den Dollar und riefen das Misstrauen anderer Nationen in die Wertstabilität der Leitwährung hervor. Um trotzdem die vereinbarten 35 Dollar je Unze halten zu können, sahen sich die USA gezwungen, zunächst noch alleine, später gemeinsam mit sieben europäischen Ländern (Londoner Goldpool) immer mehr Gold auszuliefern oder am Markt zu verkaufen. Bei dieser Preismanipulation verloren die Staaten über 60 Prozent Ihrer Goldreserven, bis Richard Nixon schließlich 1971 den Umtausch von Dollar in Gold beenden musste, um wenigsten die verbleibenden 8.873 Tonnen Gold noch im Lande halten zu können.

Der daraus resultierende Preisanstieg beim Gold auf in der Spitze über 800 Dollar im Jahre 1980 verdeutlicht das Ausmaß der vorangegangenen Manipulation. In dieser Zeit versuchten der internationale Währungsfonds und einige Staaten den Goldhunger des Marktes mit zusätzlichen 1.500 verkauften Tonnen zu besänftigen. Ich würde diese Aktionen noch als ehrlichste Form der Manipulation einstufen, da sie wenigstens offen bilanziert wurden und – im Gegensatz zu den später entwickelten Methoden – tatsächlich existentes Gold verkauft wurde.

Natürlich konnte man absehen, dass bei dieser Geschwindigkeit die öffentlichen Goldreserven bald zu niedrig sein würden, um damit noch den so wichtigen Einfluss auf den Markt zu erhalten. Es mussten also neue Methoden her:

Eine davon war die Einführung des sogenannten Gold-Leasings in den Achtzigern. Anstelle das Gold für immer zu verkaufen und die Abflüsse für jeden ersichtlich in der Bilanz zu dokumentieren, gingen die Zentralbanken dazu über, ihr Gold gegen Zinsen zu verleihen. Schuldner waren und sind in den meisten Fällen die großen, am Londoner Goldmarkt aktiven Geschäftsbanken – das Who-is-who der Privatbanken von Goldman Sachs über die HSBC bis zur UBS. Diese sogenannten Bullionbanken leihen sich das Zentralbankgold für einen festgelegten Zeitraum und zu auffällig niedrigen Zinssätzen.

Ein großer Teil dieser geliehenen Bestände wird anschließend am Markt veräußert. Diese Einnahmen können dann für den Kauf von höher verzinsten Anlagen, beispielsweise Staatsanleihen, verwendet werden, so dass die Banken sichere Zinsgewinne aus dem Gold-Leasing generieren. Die Zentralbanken schlagen auf diese Weise gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen erhalten sie Zinsen auf ihr Gold und können damit die Lager- und Versicherungskosten gegenfinanzieren (was offiziell als Hauptargument für diese Geschäfte ins Feld geführt wird). Zum anderen – und das ist der eigentliche aber inoffizielle Grund – können Sie über diesen Umweg ihr Gold als Angebot an den Markt bringen und damit den Preis drücken, ohne dabei ihre Reserven für jedermann sichtbar reduzieren zu müssen.

Das Risiko besteht natürlich darin, dass die Zentralbanken ihr Gold jederzeit zurückfordern könnten – beispielsweise im Falle einer Währungs-Krise. Mangels nennenswerter Eigenbestände müssten die Geschäftsbanken das geliehene und anschließend verkaufte Edelmetall dann zu (deutlich) höheren Preisen am Markt zurückkaufen. Sehr wahrscheinlich sind wir bereits seit langem über diesen Punkt hinweg, da der aus dieser Nachfragespitze zu erwartende Preisanstieg den Geschäftsbanken die Erfüllung ihrer Verpflichtungen unmöglich machen dürfte, ohne dabei zahlungsunfähig zu werden. Doch solange die bisherige Praxis beibehalten wird und die Verleihgeschäfte verlässlich verlängert und kontinuierlich ausgeweitet werden, wird das Angebot künstlich erhöht und der Preis damit im Gegenzug gedrückt.

Laut offiziellen Angaben kamen auf diesem Wege bis Ende der Neunzigerjahre mehr als 4000 Tonnen der öffentlichen Goldreserven in den Umlauf. Die tatsächliche Menge dürfte jedoch wesentlich höher gewesen und bis heute deutlich ausgeweitet worden sein. Die unverständliche aber dennoch erlaubte Intransparenz im Leasingbereich ist ein äußerst belastendes Indiz für diese Vermutung: Gold und Goldforderungen werden untrennbar als eine Summe in den Zentralbank-Bilanzen aufgeführt, so dass es keine verlässlichen Informationen darüber gibt, wie viel Gold verliehen wurde und wie viel tatsächlich noch für die Krisenintervention vorhanden ist. Die seit über 60 Jahren ausbleibenden externen Überprüfungen der Goldreserven lassen ebenfalls kaum andere Schlüsse zu, als das wesentlich weniger Bestände vorrätig sind, als die Bilanzen uns glauben machen sollen.

In diesem System sind sogar Mehrfachzählungen denkbar und wahrscheinlich, sobald Gold einer Zentralbank über eine leihende Geschäftsbank an eine andere Zentralbank verkauft wird. Das physische Gold wäre dann beispielsweise aus dem Tresor in Fort Knox über die Schweiz nach China „gewandert“, würde aber sowohl von der Fed auch von der Peoples Bank of China als Reserve bilanziert.

Wie viel unserer Goldreserven die Zentralbanken auf diesem Wege bereits unwiederbringlich für den Werterhalt ihres ungedeckten Fiat-Geldes aufwenden mussten, ist ungewiss. Selbst ohne die geniale Erfindung des Papiergoldhandels an den Futuresmärkten erläutert zu haben – auf welche ich im zweiten Teil dieses Marktberichtes eingehen werde – dürfte bereits jetzt klar sein, dass wir es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit einer systematischen Manipulation von höchster Stelle zu tun haben.

Ihr

Sönke Mißfeld

Jetzt hier Teil 2 des Artikels lesen:

Der Mythos vom freien Edelmetallmarkt (Teil 2/2)

Sönke Mißfeld

ist Filialleiter des Edelmetallhändlers Ophirum GmbH in Hamburg. Seine Spezialgebiete sind physische Edelmetallinvestments und das wirtschaftspolitische big picture. Sönke lebt derzeit in Hamburg und publiziert ca. alle zwei Wochen Artikel auf goldgeldwelt.de.

Click Here to Leave a Comment Below

Leave a Reply:

​​Was macht der Gold​preis...

wenn die Börse CRASHT?

​​95% der Goldanleger ​​liegen total daneben!
​​​Unser Spezialreport als ​PDF im Wert von 5,00 € ist über diesen Link jetzt gratis als Download verfügbar:

Daten werden nicht an Dritte weitergegeben, Abmeldung jederzeit problemlos möglich.

x