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26. November 2017

Das wahre Ausmaß der Inflation

Stellen Sie sich vor, wir lebten in einer einfachen Welt mit standardisierten Produkten ohne Qualitätsschwankungen, wechselnde Verpackungsgrößen und verwirrende Preisschwankungen. Ein Liter Milch würde ewig einen, ein Megawatt Strom immer 250 und ein Hektar fruchtbares Ackerland konstante 50.000 Euro kosten. Tarifliche Lohnsteigerungen zum Ausgleich der nicht mehr vorhandenen Inflation gäbe es dann natürlich auch nicht mehr.
Stattdessen würde der Zentralbanker ihres Vertrauens einmal jährlich bei Ihnen vorbeischauen und als Gegenleistung für diese Planungssicherheit und Stabilität einen „angemessenen Tribut“ in Höhe von – sagen wir vorsichtig – fünf Prozent ihres Jahreseinkommens verlangen. Bei dieser Gelegenheit würde er natürlich auch gleich die Unterschrift für die jährliche Lastschrift in Höhe von fünf Prozent ihrer Ersparnisse auffrischen.

Ich gehe davon aus, Sie würden bei der stattlichen Höhe dieser wiederkehrenden „Opferzahlungen an Ihren Geldschöpfer“ milde gesagt etwas skeptisch werden und vermutlich recht vehement eine Erklärung verlangen, welche Leistungen denn im Gegenzug auf Seiten der Zentralbank für Sie erbracht werden. Die wenig befriedigende Antwort „Nun ähm – wir erschaffen das Geld aus dem Nichts und verteilen es dann an die Banken oder kaufen damit direkt Staats- und Unternehmensschulden“ würde Sie dann wahrscheinlich auf die Palme und Ihren Zentralbanker um seinen Job bringen. Sie würden sich hoffentlich einen günstigeren Dienstleister oder – besser noch – gleich ein besseres Zahlungsmittel suchen.

Leider ist die reale Welt jedoch wesentlich komplizierter und es bleiben weder die Produkte noch die dazugehörigen Preise längerfristig konstant. Die Gründe dafür sind so vielfältig sind wie die Auswahl in einem internationalen Delikatessengeschäft. Das macht die Messung der oben so plakativ umschriebenen „Kosten der Geldhaltung“ wesentlich komplizierter bis unmöglich und verschleiert für seine Endbenutzer das wahre Ausmaß des kontinuierlichen Inflationsschadens. Daher soll dieses vereinfachende Gedankenspiel dabei helfen, den Grundmechanismus zu verdeutlichen, nach dem uns jährlich ein Teil der Kaufkraft unserer Einkünfte und Ersparnisse verloren geht: Erschaffen die (Zentral-)Banken zu viel Kreditgeld, verliert es gegenüber den realen Wirtschaftsgütern nach und nach an Wert.

Gutes Geld würde im Gegensatz dazu nicht nur seinen Wert erhalten. Es würde kontinuierlich an Kaufkraft gewinnen! In den vergangen Jahrzehnten haben wir enorme technologische Fortschritte gemacht, die es uns ermöglichen die Güter des täglichen Bedarfs zu immer niedrigeren Kosten zu produzieren. Diese Effizienzsteigerungen hätten, in Verbindung mit der Auslagerung der Produktion in Niedriglohnländer wie China, eigentlich dazu führen müssen, dass wir fast alle Produkte bei gleichbleibender oder steigender Qualität zu immer günstigeren Preisen beziehen könnten. Wie ich bereits in einem älteren Marktbericht („Die verborgene Inflation“) erläutert habe ist das leider nicht der Fall – vielmehr steigen die Preise trotz sinkender Qualität und Arbeitslöhne.

Zu allem Übel haben wir auch noch den Bock zum Gärtner gemacht und verlassen uns bei der Messung und Interpretation einer der wichtigsten wirtschaftlichen Messgrößen – der Inflation – auf ihren Verursacher (Zentralbank) und größten Nutznießer (Staat). Die von mir exemplarisch angeführten fünf Prozent sind daher auch nicht zufällig wesentlich höher, als die offiziell kommunizierten Zahlen, welche uns seit Jahren mit null bis zwei Prozent in den entwickelten Volkswirtschaften eine recht moderaten Währungs-Wertverlust suggerieren sollen (Deutschland aktuell 1,6%). Zwei Prozent sind sogar das international anerkannte Inflationsziel, welches die konformen Systemtheoretiker als förderlich für unsere Volkswirtschaften deklariert haben. Bis zu dessen Erreichung sehen die Zentralbanker daher auch keinen Grund für ein Ende ihrer seit fast einem Jahrzehnt andauernden „Notfall-Geldschwemme“.

Tatsächlich dürfte das Ausmaß des Geldwertverlustes seit Jahren kontinuierlich oberhalb von besagten fünf Prozent liegen. Die Seite shadowstats.com macht sich die Mühe, die Inflationsraten für die USA nach der gleichen Methodik wie noch im Jahre 1980 zu berechnen und landet dabei rund sechs bis acht Prozent über den vom US-Arbeitsministerium herausgegebenen Zahlen! Um diese sozialverträglicheren Ergebnisse zu erreichen wurde unter anderem das gute Steak des Durchschnittskonsumenten einfach durch einen Burger ausgetauscht (Absenkung des Qualitätsniveaus) oder die höhere Rechenleistung der neuesten Computergeneration als Preissenkung für den Verbraucher interpretiert (Hedonische Methode). Da hierzulande die selben vielkritisierten inflationsvertuschenden Änderungen am Warenkorb und der Berechnungsmethodik üblich sind, ist davon auszugehen, dass wir es in Europa und dem Rest der Welt mit einer vergleichbaren Abweichung zu tun haben.

Hinzu kommt, dass in der Öffentlichkeit beim Thema Inflation nahezu ausschließlich über den Verbraucherpreisindex gesprochen wird. Der Kaufkraftverlust einer Währung manifestiert sich aber mindestens genauso in den blasenhaften Preisanstiegen von Aktien, Immobilien, Betriebs- und Sachvermögen. Diese legten laut dem Flossbach von Storch Vermögenspreisindex zuletzt eher mit Raten um die 8 Prozent per anno zu – und das obwohl die quasi zinslosen Sparguthaben und Renten- und Lebensversicherungen mit einberechnet wurden. Der in diesen Zeiten so ratsame Aufbau einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge auf Basis dieser Vermögenswerte wird also für alle Neueinsteiger von Jahr zu Jahr teurer, wesentlich angetrieben durch die lockere Geldpolitik der Zentralbanken.

Parallel dazu hat jüngst die weltweite Gesamtverschuldung mit 327 Prozent des Bruttoinlandproduktes einen neuen Rekord erreicht. Die überschuldeten Staaten, Banken und Wirtschaftsteilnehmer sind daher abhängiger denn je von der geldpolitischen Unterstützung durch die Zentralbanken. Sofern diese nicht (was erfahrungsbedingt nicht auszuschließen ist) wissentlich einen massenhaften Kreditausfall und damit eine globale Finanzkrise auslösen wollen, sind sie zur Fortführung und Ausweitung ihrer inflationären Geldpolitik verdammt. Ihre theoretische Unabhängigkeit und den Auftrag der Geldwertstabilität ad acta legend resultiert erneut eine mehr oder weniger direkte Staatsfinanzierung und Marktunterstützung aus der Notenpresse.

Diese verdeckte Form der Schuldenentwertung geht naturgemäß zu Lasten der Einkommensbezieher und Sparer. Es ist daher nur logisch, dass das wahre Ausmaß der Geldentwertung mit allen verfügbaren Mitteln verschleiert werden muss, um diesen Prozess fortzuführen und politischen Gegenwind zu vermeiden. Für unsere Kreditgeldsysteme ist die Inflation überlebenswichtig – in diesem Punkt sind sich alle einig. Das bei diesem Schuldenstand jedoch weit höhere Inflationsraten als die offiziellen benötigt und aktiv herbeigeführt werden, darf nicht zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion werden. Andernfalls würden die Konsumenten und Anleger ihr Verhalten an die geänderten Inflationserwartungen anpassen und damit die Abwärtsspirale im Geldwert wesentlich beschleunigen. Empirisch belegt führten stark gestiegene Inflationserwartungen zu steigenden Inflationsraten und lösen schlussendlich eine Flucht aus den Geldvermögen in bewährte Alternativen wie Gold- und Silber aus.

Lassen Sie sich also nicht täuschen. Das Gespenst der Inflation war nie wirklich weg. Es wurde nur für einige Jahrzehnte durch technologischen Fortschritt, Kosten- und Qualitätssenkungen sowie Produktivitätssteigerungen abgemildert und durch die offiziellen Stellen mithilfe statistischer Tricksereien vor uns verborgen. Nimmt es jetzt – wie die vielerorts steigenden Inflationsraten es andeuten – auch wieder in der öffentlichen Wahrnehmung Gestalt an, könnte es schnell außer Kontrolle geraten. Machen Sie sich bitte anhand meines Beispiels vom Anfang dieses Artikels bewusst, dass Ihr Geld auf dem Konto oder in Rentenpapieren jeden Tag an Wert verliert. Jedes Zögern kostet sie damit reale Kaufkraft. Jedes Jahr zahlen Sie einen stattlichen Tribut an Ihre Zentralbank.

Ihr

Sönke Mißfeld

Sönke Mißfeld

ist Filialleiter des Edelmetallhändlers Ophirum GmbH in Hamburg. Seine Spezialgebiete sind physische Edelmetallinvestments und das wirtschaftspolitische big picture. Sönke lebt derzeit in Hamburg und publiziert ca. alle zwei Wochen Artikel auf goldgeldwelt.de.

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