Das ewig gleiche Lied

Goldpreis

Ophirum Goldbericht

Nachdem Gold und Silber im überraschend schwachen Mai fast ein Drittel ihrer bis dahin sehr überzeugenden Jahresgewinne wieder abgeben mussten, konnten beide Metalle den Juni mit einer beeindruckenden Aufholjagt beginnen. Sie bestätigen damit den intakten Aufwärtstrend seit der Bodenbildung im Dezember letzten Jahres. Obwohl im blasenübersäten, hochgradig krisengefährdeten Niedrigzinsumfeld nahezu alles für deutlich höhere Notierungen spricht, war und ist es weiterhin die erwartete Leitzinsanhebung in den USA, die die Märkte zögern lässt.

Sönke MißfeldStehen, wie Ende letzten Jahres und im Mai diesen Jahres, die hervorgehobenen Zeichen mal wieder auf Stabilität und Wachstum, stellt die Federal Reserve sogleich höhere Leitzinsen in Aussicht. Dies soll Anlagen in US Dollar attraktiver machen und hätte somit negative Folgen für das zinslose Gold- und Silberinvestment. So zumindest lautet die Theorie, nach der die Spekulanten an den Papiergoldmärkten ihre Einsätze platzieren und damit kurzfristig die Preise wesentlich beeinflussen. Erstaunlicher Weise verschlechterten sich anschließend oftmals die Daten recht plötzlich und unerwartet, so dass die Fed die groß angekündigte Zinsanhebung erneut aufschieben musste. Nach mittlerweile zwei Jahren angekündigter Zinswende ist auf diese Weise bis Dato lediglich ein unbedeutender Zinzschritt in Höhe von 0,25 % im Dezember letzten Jahren heraus gekommen.

Es ist bei diesem verbalakrobatischen Jojo-Spiel schon verwunderlich, dass die Märkte überhaupt noch Folge leisten. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Spekulanten, im Gegensatz zu fast allen anderen Edelmetallkäufern, nicht auf langfristige Vermögenssicherheit, sondern auf kurzfristige Gewinne aus sind. In dieser Welt werden veränderte Daten binnen weniger Millisekunden ausgewertet und die erwarteten Auswirkungen auf die Kurse sofort eingepreist. Die zu Grunde liegenden „Marktgesetze“ und die Realitätsnähe der Daten müssen dabei gar nicht hinterfragt werden, denn der Markt macht bekanntlich immer das, was der Markt vom Markt erwartet – selbsterfüllende Prophezeiungen per Definition.

Langfristige, systembedingte Fehlentwicklungen und wachsende Risiken, wie derzeit die beängstigenden Blasen an den Anleihe- und Derivatemärkten oder der drohende Schuldenkollaps in China, scheinen in diesem System chronisch unterschätzt, übersehen oder sogar geleugnet zu werden, solange die Musik nur weiterspielt. Diese „naive Regeltreue“ begründet sich mit Sicherheit unter anderem darin, dass ein Großteil der „Big Player“ unter den Spekulanten überhaupt nicht mehr am Markt wäre, hätten die Zentralbanken und die Staaten sie in der Krise nicht großzügig gerettet. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing…

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann es daher äußerst gefährlich für Anleger sein, den Verlautbarungen der verantwortlichen Akteure blind zu vertrauen. Als mahnendes Beispiel sei hier der damalige Fed-Vorsitzende Ben Bernanke angeführt, der noch zu Beginn des Jahres 2007 keinerlei Immobilienblase erkennen konnte und stabiles Wachstum für die US-Wirtschaft in Aussicht stellte, während sich die Sub-Prime Krise bereits mit aller Wucht ihren Weg bahnte. Als Hauptverantwortliche für die Entstehung dieser Blase ist es wenig verwunderlich, dass die Fed deren Existenz willentlich „übersah“ – ein Interessenskonflikt, wie er im Buche steht. Auch die oben als „Big-Player“ erwähnten Großbanken verteilten weltweit bis zum Schluss ihre toxischen Kreditbündel an die ahnungslosen Investoren. Teilweise vorsätzlich, wie die inzwischen geleisteten Milliarden außergerichtlicher Vergleichszahlungen an geschädigte Kläger belegen.

Geschichte wiederholt sich zwar nie zu 100 Prozent, aber sie „reimt“ sich öfter, als wir es wahrnehmen. Das vielbesungene Jobwunder und der solide Konjunkturaufschwung in den USA decken sich einfach nicht mit der niedrigsten Erwerbsquote seit 1970 (62,6%) und 45 Millionen Beziehern von Lebensmittelmarken. Das Absinken der Arbeitslosenquote auf 4,7 Prozent wurde nicht etwa durch den Aufbau zusätzlicher Arbeitsplätze erreicht, sondern nur durch das angeblich „freiwillige“ Ausscheiden von Millionen Amerikanern aus der arbeitstätigen Bevölkerung. Gleichzeitig wurden gut bezahlte Vollzeitstellen durch Teilzeit- und Niedriglohn-Jobs ersetzt.

Es ist also ein gesundes Misstrauen angebracht, wenn die Verantwortlichen der Obama Administration und der Federal Reserve ihr statistisch erzwungenes Lied vom ewigen Aufschwung anstimmen. Achtsame Anleger könnten die gleiche Melodie und sehr ähnliche Textpassagen wie in der Vorkrisenzeit 2007 wiedererkennen. Ich für meinen Teil bin des Ohrwurmes schon lange überdrüssig und richte mein Anlageverhalten lieber an den tatsächlichen Risiken und der wirtschaftlichen Realität aus. Die Frage ist nicht ob, sondern wann diese die Finanzakteure das nächste Mal einholen wird.

Bis dahin hören Sie lieber ebenfalls auf Ihre innere Stimme.

Ihr

Sönke Mißfeld

Dieser Artikel wurde in Kooperation mit der Ophirum GmbH veröffentlicht, einem führenden Edelmetallhändler in Deutschland (hier geht’s zum Onlineshop). Für spannende wöchentliche Analysen von Sönke Mißfeld und anderen Experten empfiehlt Goldgeldwelt.de ein Abonnement des Ophirum Goldberichtes.

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