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21. Dezember 2017

Chinas goldene Alternative zum Petro-Dollar – Teil 2

Teil zwei zum Artikel Chinas goldene Alternative zum Petro-Dollar

Vergangene Woche hat China die ersten praxisnahen Testläufe mit seinem neuen, in Renminbi (Yuan) notierten Öl-Future erfolgreich durchgeführt. Es ist also eher eine Frage von Wochen als Jahren, in denen der Petro-Dollar zum ersten Mal in seinem (über vier Jahrzehnte währenden) Bestehen ernstzunehmende Konkurrenz bekommt. Natürlich bedeutet das nicht gleich das sofortige Ende des Dollars als Weltreservewährung – dafür ist er vorerst noch viel zu dominant auf den internationalen Finanzmärkten. Dennoch werden wir eindeutig grade Zeuge eines bedeutsamen Wendepunktes im globalen Geldsystem.

Alleine der Umstand, dass es die Herausforderer westlicher Hegemonie soweit gebracht haben, muss von vielen Nationen als Schwäche und Machtlosigkeit der USA interpretiert werden. Bis vor wenigen Jahren wurde jegliche Konkurrenz für den Dollar in dieser zentralen Frage schlichtweg nicht toleriert und kompromisslos auf diplomatischem oder militärischem Wege zurückgedrängt. Präsident Trump könnte sich dank der vielen Misserfolge und Machtkämpfe im Inneren der US-Regierung sowie seiner isolationistischen „America First“-Politik als genau der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort erweisen, um diesem Prozess den nötigen Anschub zu verleihen.

Im internationalen Handel ist Vertrauen die Grundvoraussetzung für jegliche Geschäftsbeziehung. Vertrauen auf Vertragserfüllung durch den Geschäftspartner, Vertrauen auf die Rechtssicherheit in den beteiligten Nationen und Vertrauen auf die Wertstabilität der zugrunde liegenden Währung.

Dem US-Dollar droht in den nächsten Jahren genau dieses Vertrauen abhanden zu kommen. Sollten binnen weniger Jahre mehrere Billionen, derzeit noch in Währungsreserven und Staatsanleihen, gespeicherter Dollar auf den Markt zurück gelangen, drohen empfindliche Wechselkursverluste, weit höhere Inflationsraten und gefährliche Schuldenkrisen von der Privatwirtschaft bis zum Staat. Ein sich selbst beschleunigender Kreislauf aus höheren Inflationserwartungen, Vertrauensverlust, Flucht in Alternativen und zunehmendem Verkaufsdruck auf Dollar und US-Staatsanleihen könnte einsetzen. Das Fundament des Weltfinanzsystems würde seinen sicher geglaubten Wert verlieren – eine präzedenzlose Krise wäre die unausweichliche Folge.

Wie immer in der Währungsgeschichte kommt dem Gold in solchen Umbruchphasen eine besondere Bedeutung zu – das haben auch die Chinesen erkannt und setzen deshalb seit Jahren auf das Edelmetall als zentralen Teil ihrer Strategie. Es dient als einzig-verlässlicher Wertanker in einem Meer aus zueinander stark schwankenden Fiat-Währungen im gemeinsamen Abwertungsstrudel. Die chinesische Führung ist sich darüber bewusst, dass es vielen Handelspartnern noch an dem nötigen Vertrauen in den Renminbi mangelt, um diesen als Alternative zum Dollar zu akzeptieren. Diese Lücke versuchen Sie durch die sofortige Umtauschoption in Gold zu füllen.

Sollte sich beispielsweise der Irak dazu entscheiden, zukünftig einen Teil seines Öls an China gegen Renminbi zu verkaufen, kann er wählen: Entweder sie halten die chinesische Währung und bezahlen damit im Gegenzug Waren und Dienstleistungen aus dem Reich der Mitte, oder Sie tauschen ihre Einnahmen in Shanghai oder Hongkong gegen Gold und vermeiden so das Währungsrisiko. Entgegen einiger derzeit umlaufender Artikel wird der neue Öl-Future zwar nicht direkt an Gold gebunden sein, allerdings bietet China seinen Handelspartnern mit der in großen Schritten voranschreitenden Öffnung seiner Finanzmärkte und dem Zugang zur Shanghai international Gold Exchange (SGEI) einen schnellen, einfachen und sicheren Umtausch von Renminbi-Erlösen in Gold an:

An der SGEI werden ausschließlich physisch hinterlegte und vor allem lieferbare Ansprüche auf tatsächlich existentes Gold gehandelt. Konkret bedeutet dies, dass jemand der an dieser Börse Gold zum Verkauf anbieten möchte, auch sicher über die entsprechende Menge verfügen muss. Um diesen Nachweis ohne jeden Zweifel zu erbringen, werden neue Einlagerungen an die SGEI extra umgeschmolzen und neben der üblichen Prägung mit einer eindeutigen Laser-Signatur versehen. Dieser Aufwand wird natürlich betrieben, um das bereits weiter oben erwähnte, unverzichtbare Vertrauen der internationalen Teilnehmer zu gewinnen.

Im krassen Gegensatz dazu nutzen die westlichen Handelsplätze das Vertrauen ihrer Teilnehmer bis ins Maximum aus und verkommen zusehends zu spekulations-getriebenen Buchgoldcasinos. Vielfach gehebelte Wetten auf steigende oder fallende Kurse machen den Goldpreis zum Spielball einiger weniger übermächtiger Marktteilnehmer, deren Geschäfte fast ausschließlich in Bar abgewickelt werden und nie auf physische Auslieferung ausgelegt waren. Das könnten sie auch gar nicht, ist doch an diesen Handelsplätzen nur ein verschwindend geringer Lagerbestand zur Absicherung und Auslieferung verfügbar und eindeutig zugewiesen.

Sie müssen sich den Goldhandel im Westen wie das Spiel „Reise nach Jerusalem“ vorstellen: Solange die Musik läuft, haben alle Papiergoldbesitzer das Gefühl, einen Anspruch auf echtes Gold zu haben. Nach und nach kamen immer mehr Spieler dazu, aber die Stühle in der Mitte wurden gleichzeitig immer weniger. Das echte Gold wanderte nach Osten ab. Bis dato spielte die Musik einfach ununterbrochen immer weiter, so dass die unzähligen Spieler sich noch nicht um die wenigen verbliebenen Stühle streiten mussten. In dem Moment allerdings, an dem die Musik aufhört zu spielen (beispielsweise während der nächsten Krise), wäre das Vertrauen in die westlichen Märkte schlagartig verloren – und mit ihr die Preissetzungsmacht.

Es wundert bei diesen offensichtlichen Unterschieden wenig, dass China schon seit Jahren auf dem physischen Goldmarkt führend ist und sowohl die gelagerten als auch die ausgelieferten Mengen die der westlichen Handelsplätze um ein Vielfaches übertreffen. Es wäre daher nur logisch, wenn die SGEI auch bei der Preissetzung zukünftig eine entscheidende Rolle spielt. Auf dem letzten BRICS-Summit haben die beteiligten Länder ihre eindeutigen Intentionen verkündet, einen eigenen, vom US-Dollar weitestgehend unabhängigen Goldmarkt anzustreben. Genau wie China gehören alle BRICS-Staaten zu den größten Goldimporteuren oder -produzenten (oder beidem), weshalb man diesen Ambitionen durchaus realistische Chancen zurechnen darf.

Sollten, wie zu erwarten ist, durch den neuen Öl-Future vermehrt Renminbi-Erträge bei den Energie-Exporteuren auflaufen, ist zu erwarten, dass diese einen nicht zu verachtenden Teil davon auf dem beschriebenen Wege in Gold umtauschen werden. Auch die Partnerländer beim größten Infrastrukturprojekt der Menschheitsgeschichte, der neuen Seidenstraße, werden vermehrt auf Renminbi im Handel umsteigen und Überschüsse dann wahrscheinlich ins Gold diversifizieren. Erst gestern hat Pakistan entsprechendes verlauten lassen.

Es ist die Kombination aus den verschiedenen Einzelteilen, welche die chinesische Strategie (und die ihrer Partner wie Russland) zu einem schlüssigen Gesamtkonzept werden lässt. Aus Angst vor Sanktionen, zur Risikodiversifikation und im Streben nach einem faireren Welt-Handelssystem haben sie in beeindruckender Geschwindigkeit ein Alternativsystem zum Petro-Dollar aufgestellt. Gold bildet offenkundig in diesem System das verlässliche Fundament. Die neu geschaffenen Institutionen, die Öffnung der Märkte und die Infrastrukturprojekte sind die stabilen Säulen und Wände. Der vom Dollar unabhängige Energie und Rohstoff-Handel könnte schon der unverzichtbare Schlussstein sein. Gemeinsam können sie in dieser Fortgesetzten Schwächephase des Westens eine Lawine von sich beschleunigenden Veränderungen an den internationalen Finanzmärkten lostreten.

Vor allem für den Goldmarkt erhoffe ich mir davon durchweg positive Auswirkungen. Zum einen kann mit einer sehr stabilen und vermutlich stark steigenden physischen Nachfrage aus Fernost gerechnet werden, welche das knappe Angebot deutlich übertreffen und zu enormen Aufwärtsdruck auf den Goldpreis führen wird. Zum anderen erwarte ich als Folge davon binnen weniger Jahre den längst überfälligen Vertrauensverlust der Anleger in die westlichen Papiergoldmärkte und damit ein absehbares Ende der Preisverzerrungen durch Spekulation und Manipulation.

Ihr

Sönke Mißfeld

Sönke Mißfeld

ist Filialleiter des Edelmetallhändlers Ophirum GmbH in Hamburg. Seine Spezialgebiete sind physische Edelmetallinvestments und das wirtschaftspolitische big picture. Sönke lebt derzeit in Hamburg und publiziert ca. alle zwei Wochen Artikel auf goldgeldwelt.de.

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