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29. Dezember 2017

Bitcoin-Blase

Als ich Anfang des Jahres 2000 im Skiurlaub an einem Lift anstand, hörte ich ungewollt die Unterhaltung eines offenbar befreundeten Paares vor mir in der Schlange mit. Sie zu ihr: „Und, wie ist das letzte Jahr bei Euch beruflich gelaufen?“. Darauf die Andere: „Hans-Werner hat seinen Job an den Nagel gehängt und ist jetzt hauptberuflich Day-Trader. Damit verdient er am Neuen Markt in einer Woche so viel wie zuvor als Architekt im Monat“.

Zum Glück kam in diesem Moment der Lift und verhinderte meine Einmischung in die Diskussion. Hatte nicht Börsenaltmeister Kostolany gerade erst in seinem schlagzeilenträchtigen TV-Auftritt in einer NDR-Talk-Show außer sich vor Rage vor den Betrügereien und den Gefahren des Neuen Marktes gewarnt? Und hatte ich mich nicht gerade noch vor meiner Abreise in den Urlaub im monatlichen IAC-Börsenkommentar über die schier unfassbare Dummheit der Spekulanten und das früher oder später bevorstehende Platzen der Blase am Neuen-Markt ausgelassen?

Damals wie heute

Nun, das war damals zur Jahrtausendwende. Vor wenigen Tagen hatte ich eine ähnlich denkwürdige Begegnung im Rahmen einer privaten Geburtstagsfeier. Auch dort fiel das Tischgespräch auf das Berufsthema. Mein Schräg-Gegenüber berichtete, dass er nach seinem Studium ins klassische Berufsleben eingestiegen sei, den Job aber nach kurzer Zeit wieder gekündigt habe. Seit Anfang 2017 sei er nun hauptberuflich Krypto-Coach und Bitcoin-Investor. Von seinen Gewinnen in diesem Jahr habe er sich sogar schon einen Camper-Van kaufen können, den er auf den Namen „Krypto“ getauft habe. Leider löste diesmal kein zum Einstieg bereiter Lift die Situation auf. Ich musste mir daher heftig auf die Zunge beißen, um nicht die Party zu sprengen.

Wie kann es angehen, dass normale Menschen regelmäßig den Verstand verlieren, wenn es an den Kapitalmärkten zu einer Blase kommt? Und um eine solche handelt es sich beim aktuellen Bitcoin-Boom ebenso sicher wie seinerzeit am Neuen Markt. Allein im laufenden Jahr hat sich der Bitcoin-Kurs von rund 1.000 USD auf zwischenzeitlich bis zu 20.000 USD glatt verzwanzigfacht. Wie bei jeder Blase sind es gerade die atemberaubenden vorangegangenen Kursgewinne, die die Aufmerksamkeit von immer mehr Anlegern erregen und so die Kurse weiter treiben. Gier frisst bekanntlich Hirn.

Blasen-Schicksal

Da derartige, auf Massenpsychologie und Herdentrieb basierende Kursentwicklungen nicht nachhaltig sind, fällt der Kurs beim Platzen der Blase regelmäßig ins Bodenlose. Und das für viele überraschend selbst dann, wenn die Grundidee, die eine Blase befeuert, stimmt. So steckt beispielsweise hinter dem Bitcoin die Idee, eine Währung zu schaffen, die unabhängig ist von Institutionen wie Notenbanken. Das ganze basierend auf einer neuen Technologie namens Blockchain.

Doch Grundidee (Blockchain-Technologie) und Spekulations-Objekt (Bitcoin) teilen bei Blasen regelmäßig nicht dasselbe Schicksal. So wurde beispielsweise die Blase am Neuen Markt Ende der 90er Jahre von der Idee befeuert, dass das Internet die (Wirtschafts-)Welt verändern würde. Stichwort: New Economy. Diese Annahme war durchaus korrekt, wie wir heute wissen. Trotzdem haben Millionen Anleger beim Platzen der Internet-Blase am Neuen Markt 98% verloren.

Ähnlich beim Hype um China-Aktien in 2007 oder der Tulpen-Hausse des 17. Jahrhunderts: Chinas Wirtschaft boomte tatsächlich wie von den Spekulanten erwartet und ist heute weit größer als vor 10 Jahren – trotzdem haben Anleger mit China-Aktien beim Platzen der Blase über 60% ihres Geldes verloren. Und Tulpen sind auch über 300 Jahre nach dem Platzen der Tulpen-Blase nicht mehr aus mitteleuropäischen Vorgärten wegzudenken – ihr Preis hingegen ist vom einstigen Gegenwert eines Grachtenhauses auf den Gegenwert eines Schokoriegels zusammengeschmolzen.

Mein Rat darum: Lassen Sie sich nicht vom aktuellen Bitcoin-Fieber anstecken. Egal wie hoch der Preis noch steigt, auch diese Blase wird am Ende platzen.

PS: Sie interessieren sich neben meiner persönlichen Meinung aus dem obigen Kommentar für Fakten und Hintergrund-Informationen zum Thema Bitcoin? Diese finden Sie im News-Bereich unter “Fakten zum Bitcoin

Mit besten Grüßen

Ihr

Joerg Wiechmann

ist Geschäftsführer der TOP Vermögensverwaltung und des Itzehoer Aktien Clubs. Sein Spezialgebiet sind internationale Qualitätsaktien. Er lebt derzeit in Hamburg und Itzehoe. Jörg publiziert ca. einmal pro Monat auf goldgeldwelt.de.

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