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29. Juni 2019

Aktien für alle

Nach seiner Niederlage gegen Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem CDU-Parteitag im Dezember war es ruhig geworden um ihn. Doch angesichts der mittlerweile umhergeisternden Frage, ob die große Koalition das Ende dieses Jahres noch erleben wird und wer im Fall vorgezogener Neuwahlen Kanzlerkandidat der CDU wäre, betritt er nun wieder die politische Bühne: die Rede ist von Friedrich Merz. Der hatte bereits Ende letzten Jahres für eine breitere Beteiligung der Bevölkerung am Produktivkapital geworben. Frei nach dem Motto: „Aktien für alle“.

Dafür erntete er seinerzeit ordentlich Kritik. Doch offenbar hat der Mann Rückgrat. In einem Interview mit der „Zeit“ wirbt Merz jetzt erneut für seine Position: „Die Zahl der Aktionäre ist in Deutschland im letzten Jahr um rund 200.000 gestiegen, sie liegt jetzt wieder über zehn Millionen. Das ist, für sich genommen, eine gute Nachricht. Damit sind aber immer noch 70 Millionen Menschen in Deutschland ohne Zugang zu den Kapitalerträgen der Unternehmen. Immer noch arbeiten Millionen deutscher Beschäftigter in börsennotierten Aktiengesellschaften, deren Erfolg von Millionen ausländischer Aktionäre vereinnahmt wird“.

Merz weiter: „Daran muss sich etwas ändern, aber daran lässt sich nur etwas ändern, wenn in Deutschland eine neue Kultur des Aktiensparens entsteht und sich daraus eine neue Teilhabe am Erfolg der Marktwirtschaft entwickelt“. Seinen Kritikern hält Merz entgegen: „Ich kenne den Einwand: Dann sollen also Arbeitnehmer ihr hart verdientes Geld auf dem Kapitalmarkt verzocken und von den Kapitalisten gleich noch ein zweites Mal ausgebeutet werden! Nur bitte, warum sehen das in so vielen Ländern der Welt, nicht nur im Ursprungsland des Kapitalismus, den USA, sondern auch in vielen Ländern Europas so viele Menschen so grundsätzlich anders? Warum ist fast überall die Aktienquote in Europa höher als bei uns? Und warum ist gerade in diesen Ländern die Kapitalismuskritik so viel leiser als hierzulande?“.

Damit bringt Merz einen erfrischenden Gedanken auf die politische Agenda. Die dort seit Jahren vorherrschenden Themen wie Euro-Rettung, Flüchtlings-Rettung und seit neuestem auch noch Klima-Rettung muss man sich nämlich erst einmal leisten können. Das Geld dazu wird in der Wirtschaft verdient, und nur dort. Folglich sollte es erstens in unser aller Interesse liegen, daß die Wirtschaft hierzulande auch in der Zukunft blüht und gedeiht – und daß zweitens an diesem Erfolg dann möglichst breite Teile der Bevölkerung teilhaben. Das geht am Besten über eine staatliche Förderung des Aktiensparens, wie es bereits in anderen Ländern wie den Niederlanden erfolgreich praktiziert wird.

Wer hingegen Aktien und Unternehmertum pauschal verteufelt oder als Instrument zur Bereicherung einer privilegierten Minderheit brandmarkt, gefährdet damit die Grundlage unseres Wohlstandes: die breite Zustimmung zur sozialen Marktwirtschaft.

Fazit:

In Zeiten zunehmend ideologisch geführter politischer Debatten um Themen wie Klima, Flüchtlinge und Europa empfinde ich persönlich eine stärker rationale Argumentation und eine Fokussierung auf die Frage, wie wir unser Wohlstandsniveau erhalten und alle daran beteiligen können, erfrischend konstruktiv. Vor allem wird durch die klare Positionierung von Friedrich Merz jetzt wieder deutlich, wo der Unterschied zwischen den politischen Protagonisten liegt: Die einen überbieten sich mit Ideen zum Geldausgeben und setzen zur Finanzierung auf staatliche Umverteilung und Enteignung. Die anderen setzen den Fokus aufs Geldverdienen mit einer prosperierenden Wirtschaft und eine möglichst hohe Beteiligung vieler daran, ganz nach dem Motto: „Aktien für alle“.

Mit besten Grüßen


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Joerg Wiechmann

ist Geschäftsführer der TOP Vermögensverwaltung und des Itzehoer Aktien Clubs. Sein Spezialgebiet sind internationale Qualitätsaktien. Er lebt derzeit in Hamburg und Itzehoe. Jörg publiziert ca. einmal pro Monat auf goldgeldwelt.de.

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